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Laufschuh Messe Neuheiten für H/W 2014

So richtig Winter war es in den meisten Regionen Deutschlands bisher nicht und wird es wohl auch nicht mehr werden. Trotzdem wirft die kommende Herbst-/Wintersaison bei den Laufschuhen ihre Schatten bereits voraus. Wobei die Bezeichnung Herbst-/Wintersaison insofern nicht ganz passend ist, da diese bereits im Juni beginnt und schon im November bzw. Dezember endet. Was gibt es an Neuheiten, Veränderungen, Updates und Trends bei den Laufschuhen H/W 2014. Ich habe im folgenden Artikel „Laufschuh Messe Neuheiten für H/W 2014“ für euch hinter die Kulissen geblickt.


Laufschuh Messe Neuheiten – Allgemeine Trends für Herbst/Winter 2014

Folgende allgemeine Trends zeichnen sich bei den Laufschuhen für Herbst/Winter 2014 ab:

  • Verschwimmen der Laufschuhkategorien

    Laufschuhkategorien  (c) Laufschuhkauf.deWährend die Bewegungskontrollschuhe als Kategorie kaum mehr existieren und die Natural Running Schuhe als neue Kategorie hinzugekommen sind zeigt sich eine Entwicklung besonders deutlich: Die neuen Laufschuhe lassen sich immer weniger (nur) einer der traditionellen Laufschuhkategorien zuordnen. Bestes Beispiel der gerade gelaunchte Brooks Transcend. Ohne Stütze aber trotzdem mit der Stabilität eines gestützten Schuhs ist die Zuordnung nicht ganz einfach. Stabiler Neutrallaufschuh oder flexibler Stabilschuh – Das ist hier die Frage. Weitere Beispiele finden sich zu Hauf: Asics Gel Fortitude 6 (neutraler Bewegungskontroll- oder stabiler Neutrallaufschuh) oder Asics Gel Super J 33 (gestützter Natural Running Schuh oder flexibler Stabilschuh), Nike Lunarglide+ 5 (gestützter Lightweighttrainer oder leichter Stabilschuh), Saucony Mirage 3 (gestützter Natural Running Schuh oder leichter Stabilschuh) usw. Auffällig ist gerade im Bereich der Natural Running Schuhe das es hier sehr viele kaum eindeutig zuordenbare Laufschuhe gibt. Bestes Beispiel sind die gestützten Natural Running Schuhe. Pronationsgestützt, 10 mm Sprengung, aufwendige Dämpfung, soll aber kein Stabil- sondern ein Natural Running Schuh sein. Na ja. Aber dazu unter dem nächsten Überpunkt mehr.

Um dieses Dilemma zu umgehen versuchen die Laufschuhmarken teilweise schon seit einigen Saisons ihr eigenes, neues Ordnungssystem zu entwickeln. Asics beispielsweise teilt seine Laufschuhe im Zuge der neuen Marketingkampagne die unter dem Slogan „Mix up your Run“ für F/S 2014 läuft nach dem Einsatzbereich in road, natural, trail und speed ein. Saucony klassifizierte seine Laufschuhe mit der Einführung der Zweitschuhserie nach Sprengungen. On ordnet die Laufschuhe nach der Geschwindigkeit des Läufers. Trotzallem nutzen die meisten Hersteller nebenbei trotzdem die „alten“ Laufschuhkategorien weiter. Alles nicht der Weisheit letzter Schluss zumal es ähnlich wie bei den Laufschuhgrößen keinen einheitlichen Standart gibt und wohl auch nicht geben wird. Das macht es für die Kunden, uns Läufer, nicht gerade übersichtlicher. Aber der Markt ist zumindest in Bewegung.

  • Natural Running Euphorie flaut deutlich ab

Nachdem vor rund einem Jahr die letzten Laufschuhmarken auf das Thema Natural Running aufgesprungen sind und viele branchenfremde Labels ihre Schuhe versucht haben in diesem Segment zu platzieren kehrt inzwischen vielerorts Ernüchterung aufgrund hoher Lagerbestände und schwacher Abverkäufe ein. Spätestens an den heftigen Reduzierungen dieser Modelle zum Saisonende zeigt sich das Mißverhältnis von Angebot und Nachfrage. Die Spreu trennt sich vom Weizen – So lässt sich die aktuelle Marktentwicklung dieser jungen Kategorie beschreiben.

Über allem steht nach wie vor Nike mit seinem Modell Free der in der GfK Top Ten, der Hitliste der meistverkauftesten Laufschuhe in Deutschland, in seinen verschiedenen Varianten nach wie vor die ersten Plätze belegt. Einziges Manko: Der Natural Runner der Amerikaner wird vornehmlich als Freizeitschuh und eben nicht als Laufschuh verkauft. Dies berücksichtigt schrumpft der Natural Running Trend schnell auf überschaubares Niveau.

Da sich zu viele Hersteller mit zu breiter Modellpalette um zu wenige Kunden in dieser Kategorie bemühen wird sich die bereits begonnene Marktbereinigung in den kommenden Saisons weiter beschleunigen. Einzelne ausscheidende Modelle und Marken sind hier erst der Anfang. Brooks, einer der frühen, größeren Hersteller beim Thema Natural Running bietet inzwischen nur noch eine Farbe pro Style und Geschlecht an. Gestartet war der Hersteller aus Seattle mit je 3 Farben pro Modell. Immer häufiger laufen Farben bei Modellen durch. So auch beim amerikanischen Mitbewerber Saucony, einem der Vorreiter für die natürlichen Laufschuhe. Selbst beim unangefochtenen Marktführer Asics (wenn nur die Performancelaufschuhe ohne Nike Free betrachtet werden) ist inzwischen bei den technischen Natural Runningmodellen nur noch eine Farbe pro Style und Geschlecht zu finden. Zudem gehörten die Japaner zu den Spätstartern was das Thema Natural Running Schuhe in Deutschland angeht. Ähnliches Bild bei Mizuno. Die Japaner verkleinern ihre Vor-/und Mittelfußläuferserie von 3 auf 2 Modelle. Das extremste Modell, der Evo Levitas, wird in H/W 2014 für den deutschen Markt nicht mehr angeboten. In der Muskelaktivierungsserie Be wird nur noch das schwarze Modell aus F/S 2014 weitergeführt. Ein Komplettausstieg bei dem Thema für den deutschen Markt ist damit absehbar. Abgesehen davon haben es viele Marken, gerade diejenigen die die extremen Varianten anbieten, nie wirklich in die Laufschuhregale im Handel oder der Onlinewelt geschafft sondern sind wenn überhaupt irgendwo in allgemeinen Schuhabteilungen oder bei wenigen kleinen Spezialisten hängen geblieben. Was davon im Freizeitbereich überleben kann und v. a. für wie lange bleibt fraglich.

Zudem ist und war nie ein einheitliches Verständnis darüber da was Natural Running Schuhe eigentlich sind. Weder die Marken noch die Kunden sind sich in diesem Punkt einigermaßen einig (gewesen). Während die Extremverfechter des Themas nur ganz flache Schuhe mit Nullsprengung und ohne jegliche Dämpfung als Natural Running Schuhe gelten lassen, gibt es am anderen Ende der Skala Hersteller die Laufschuhe als Natural Runningschuhe verkaufen die Sprengungswerte wie normale Trainingsschuhe haben, die ein Gewicht haben das teilweise sogar über dem der Trainingsschuhe liegt, die genauso „vollgestopft“ mit Technik und Dämpfung sind wie die High End Trainingsschuhe und die es nebenbei als pronationsgestützte Ausführung gibt. Da bleibt natürlich die Frage offen was genau eigentlich Natural Running Schuhe sind? Die Zielgruppe bei den Extremvarianten ist sehr klein. Von daher ist hier kein Riesenzuwachs zu erwarten. Bei den konsumigen Varianten wie Asics Gel Lyte 33 2, Brooks Pure Flow 3, Nike Free 5.0+ oder Saucony Kinvara 4 und Co. sieht es da schon ganz anders aus. Hiermit können sicherlich deutlich mehr Läufer unterwegs sein als es momentan sind und das ist die große Wachstumschance für die Zukunft. Nike wird dabei auch nach dem Abebben des Nike Free Freizeittrends mit seinem Erfolgsmodell eine wichtige Größe sein sofern das Modell bei deutlich kleineren Stückzahlen konsequent gepflegt wird.

Ich bin der Meinung, dass das Aufkommen der Natural Running Schuhe den Markt nachhaltig bewegt und diese am Ende als eigene, wenn auch kleine Kategorie bestehen bleiben werden. Positive Auswirkungen des Natural Running Trends sind u. a. in der Bauweise einer wachsenden Anzahl an Trainingsschuhen zu finden. Der Verzicht auf starre Mittelfußbrücken oder eine Verringerung der Sprengung sind neben der Reduzierung des Schuhgewichts nur die wichtigsten Errungenschaften.

  • Neutrallaufschuhe als Kategorie nach wie vor am Wachsen

Während die Bewegungskontrollschuhe als Kategorie fast nicht mehr vorhanden sind und die Stabilschuhe weiterhin Marktanteile verlieren legen die Neutrallaufschuhe und Natural Running Schuhe weiter zu. Das zeigt sich nicht nur in den Ergebnissen von diversen Umfragen zum Thema Laufschuhe sondern ebenso in den Produkt Neueinführungen und im Angebot der Marken für die jeweilige Kategorie.

  • Leicht, leichter, am leichtesten

Der Trend die Laufschuhe immer leichter zu bauen hält auch in der Herbst-/Wintersaison weiter an. Kaum ein Hersteller der nicht weniger Schuhgewicht bei seinen Updates erreicht. Oft sind es nur 10 – 20 g pro Schuh allerdings war der Sprung z. B. bei Adidas durch die neue Boost Zwischensohle oder bei Mizuno durch die U4ic Zwischensohle bereits in der FS Saison sehr groß. Aber es gibt auch für die kommende Saison die herausragenden Beispiele für Gewichtsreduktion in großem Stil. Der Asics Gel Lyte 33 3 wiegt nach der Überarbeitung mit 195 g in Referenzgröße US 9 rund 30 % weniger als sein Vorgänger.

  • Wenige echte Neuheiten aber viele Updates

Asics Gel Nimbus 16  (c) Laufschuhkauf.deViele neue Modelle bringen die Laufschuhmarken für HW 2014 nicht auf den Markt. Vielfach wird auf Bewährtes gesetzt und bereits bestehende Modelle überarbeitet. So z. B. bei Asics die neutralen Laufschuhe angefangen mit Gel Nimbus 16, Gel Cumulus 16 oder auch Gel Pulse 6. Asics baut sein so oder so äußerst breit gefächertes Angebot weiter aus und rundet mit dem komplett neuen Gel Divide sein Angebot bei den stabilen und gestützten Laufschuhen ab. Positioniert wird der Gel Divide zwischen dem GT 2000 2 und dem GT 3000 2. Ab Juni ist der neue Stabilschuh zu einer UVP von 139,95 € erhältlich. Ebenfalls neu ist der Gel FujiSetsu GTX, ein Traillaufschuh der dank seiner 12 Spikes und einer griffigen Außensohle für einen Einsatz bei Eis und Schnee entwickelt wurde. Seine UVP wird bei 149,95 € liegen.

Ähnliches Bild bei Brooks. Hier bekommen die Neutrallaufschuhklassiker Glycerin 12 und Ghost 7 lediglich kleinere Updates. Darüber hinaus erhält der Pure Grit 3 von Brooks ein größeres Update. Neben einem Rockshield im Vorfußbereich bekommt der Trailschuh aus der Pure Serie zudem eine griffigere, grobstollige Außensohle verpasst. Eine stärkere Aussparung auf der Schuhinnenseite im Mittelfußbereich in der Außen- und Zwischensohle wird die Zielgruppe aber auf Neutralfußläufer und v. a. Supinierer einschränken.

Mizuno hat fast alle Straßenlaufschuhe bereits zum Start 2014 überarbeitet so das diese lediglich Farbupdates erhalten. Die entscheidende Neuheit ist die komplette Überarbeitung der Trailschuhrange. Wave Mujin (UVP 140.- €), Wave Kazan (UVP 125,- €) und Wave Hayate (UVP 115,- €) heißen die neuen Modelle. Neben flacherem Aufbau mit weniger Sprengung und niedrigerem Gewicht sind alle Geländelaufschuhe bei Mizuno im Gegensatz zu früher neutral, d.h. ohne Pronationsstütze.

Nach der Markteinführung des New Balance 980 V1 Fresh Foam Anfang 2014 wird die neue Zwischensohle in Herbst/Winter 2014 direkt in 2 weiteren, komplett neuen Modellen eingesetzt. Neben einer Trailvariante (980 V1 Trail) mit einer griffigeren Außensohle wird es zudem ähnlich den Nike Shield Schuhen eine komplett reflektierende Ausführung (980 V1 RX) zu einer UVP von jeweils 120,- € geben.

Bei Nike sind die größten Veränderungen bereits im März/April über die Bühne gegangen. Der Free Flyknit für 159,95 € (Flyknit Obermaterial mit Plattform des 5.0) wird vom Markt genommen und kommt als Free Flyknit 3.0 für 149,95 € (Flyknit Obermaterial und Plattform des 3.0) wieder zurück. Der bisherige 3.0 fällt dafür ersatzlos raus. Während der 5.0 lediglich ein Update erhält wird der 4.0 komplett überarbeitet. Hier kommt ebenfalls das gestrickte Flyknit Obermaterial zum Einsatz. Dieses wird allerdings mit der Plattform des 4.0 kombiniert. Die UVP des neuen 4.0ers soll bei 129,95 € liegen.

Bei Saucony richtet sich der Fokus auf das Update des Kinvara der dann in der 5. Version erhältlich sein wird und den überarbeiteten Ride der seinen 7. Geburtstag feiert.

  • Verlangsamung der Preisspirale

Nach deutlichen Preiserhöhungen in den Jahren 2012/2013 ist in der Herbst-/Wintersaison 2014 beim Thema Preis weniger Bewegung. Die meisten Hersteller kommen ohne nennenswerte Preiserhöhungen aus. Erhöhungen der UVP um 10,- € wie beim neuen Asics Gel Pulse 6 auf 109,- € sind die Ausnahme und stellen dann eher eine Angleichung an die UVPs der Mitbewerber dar. Bei Adidas wird die UVP des Energy Boost und des Adistar Boost jeweils um 10,- € auf 159,95 bzw. 179,95 € erhöht.

  • Farbe bleibt Trend

Der Trend zur Farbe hält für die Saison Herbst/Winter 2014 an. Vollfarben, ganz bunte Laufschuhe, klassisch weißgrundig mit einer Farbe – Für jeden Geschmak ist etwas dabei. Häufig bieten die Marken bei den gängigen Modellen aber 2 oder mehrere Farbalternativen an. Zumeist eine konservative Variante wie z. B. weiß/rot oder weiß/blau bei Herren und weiß/pink oder weiß/lila bei Damen sowie eine Knallfarbe. Besonders im Natural Running und Wettkampfschuhbereich sind wieder einige extreme Modelle zu finden. Als krassen Kontrast dazu gibt es einige Laufschuhe in ganz schwarz.

Asics Gel Nimbus 16 Herren (c) Laufschuhkauf.de

Bild 1 von 24

Update des Asics Dämpfungsflaggschiffs. Insbesondere der Schaft wurde überarbeitet.


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2 Kommentare

  1. Brennr.de

    Das Verschwimmen der Laufschuhkategorien sehe ich eigentlich nicht so sehr. Es hat nur den Anschein, weil jeder Hersteller sich abheben möchte und nun etwas „ganz Neues“ präsentiert, was es so bisher noch nicht gab. Bei den von Dir genannten Beispielen habe ich drei Laufschuhe selbst.
    Asics Gel Super J 33: Definitiv kein felxibler Stabilschuh, sondern ein maximal leicht gestützter Natural Running Schuh. Der Fuß und die Muskulatur werden schon sehr gefordert. Die Stützfunktion ist zu gering, um ihn als Stabilschuh bezeichnen zu können. Für Umsteiger ist der Electro33 besser geeignet.
    Nike Lunarglide+ 5: Der Schuh ist zwar erstaunlich leicht, dennoch sehe ich ihn klar als leichten Stabilschuh, denn für einen Lightweight-Schuh hat er für mich zu viel Sprengung und eine zu dicke Mittelsohle.
    Saucony Mirage 3: Ganz klar ein gestützter Lightweight-Schuh.
    Das Problem ist, dass viele Laufseiten und Laufzeitschriften bei ihren Tests bzw. Produktvorstellungen die Texte der Hersteller übernehmen, anstatt mit eigener Meinung die Läufer aufzuklären, was tatsächlicher dahinter steckt. Die Verwirrung setzt sich daher durch.

  2. Wiesel

    Hi Brennr,

    vielen Dank für deine Meinung.

    Ich sehe es v. a. deshalb so weil die Abstufungen und Übergänge einfach deutlich feiner und fließender geworden sind als noch Jahre zuvor. Würden jetzt noch 5 andere ihre Meinung zu den genannten Schuhen abgeben, dann kämen vermutlich 2 – 3 weitere unterschiedliche Aussagen hinzu.

    Das es leicht gestützte Natural Running Schuhe gibt mag sicher sinnvoll sein weil sie Überpronierern helfen werden oder besser formuliert helfen können zu „weniger Schuh“ zu finden aber die Frage bleibt trotzdem wie viel Natural Running ist ein Schuh mit dicker Zwischensohle, eher höherer Sprengung und viel verbauter Technik. Der Asics Gel Super J ist auf jeden Fall so stabil, dass derjenige diesen Support merken wird der ihn nicht benötigt.

    Mit laufenden Grüßen Wiesel

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