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FAQ Wie Knochenhautentzündung / Shin Splints behandeln?

Im FAQ Artikel „Wie Knochenhautentzündung / Shin Splints behandeln?“ werden folgende Punkte näher erläutert:


Entstehung der Knochenhautentzündung

Knochenhautentzündung (c) Laufschuhkauf.deDie Knochenhautentzündung am Schienbein (engl. Shin Splint, lat. Periostitis) auch als Schienbeinkantensyndrom / Tibiakantensyndrom bezeichnet, beschreibt eine Entzündung der Knochenhaut im unteren bis mittleren Abschnitt des Schienbeins. Die Knochenhautentzündung am Schienbein zählt zu den klassischen Läuferseuchen und ist gerade in den ersten Laufjahren häufig anzutreffen.

Alle Knochen sind von der zweischichtigen Knochenhaut überzogen. In der äußeren Schicht der Knochenhaut sind die Ansätze von Bändern und Sehnen verwachsen und stellen so das Bindeglied zum Knochen dar. Laufen verursacht am Schienbein Dehn-Stoß-Reize, aufgrund der sich die Knochenhaut und der Knochen etwas gegeneinander verschieben. Betroffen sind zumeist Stellen an denen der Knochen eher weich ist, wie etwa auf der Innenseite des Schienbeins im unteren bis mittleren Bereich. Zu Entzündungen in diesem Bereich kann es kommen, wenn sich Knochen und Knochenhaut zu oft und v. a. zu heftig gegeneinander verschieben. Gerade das Laufen als eine für den Körper sehr monotone Sportart ist prädestiniert für Beschwerden wie eine Knochenhautentzündung die durch eine dauerhafte Überbeanspruchung entstehen. Gerade bei Läufern tritt diese häufig im Bereich der Innenseite des Schienbeins auf.

Weitere typische Stellen für Knochenhautentzündungen sind im Allgemeinen die Ferse oder der Ellenbogen.


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Symptome der Knochenhautentzündung

Folgende Symptome sind typisch für eine Knochenhautentzündung:

  • Schmerzlokalisation:

    • Innenseite der Schienbeinkante
    • unterer bis mittlerer Abschnitt des Schienbeins
  • Schmerzart:

    • stechender, oft und lange Zeit tolerierbarer Schmerz
    • punktueller Druckschmerz (Schmerzpunkt ist tastbar)
  • Schmerzverhalten:

    • Schmerz setzt zumeist direkt oder nach kurzer Belastungsdauer ein
    • u. U. Besserung der Beschwerden während des Laufens
    • je nach Ausprägung auch Schmerzen nach der Belastung
    • Besserung in Ruhe
    • kann mit Schwellung und/oder Rötung des betroffenen Bereichs einhergehen

 

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Abgrenzung von weiteren Beschwerden im Unterschenkelbereich

Im Zuge der Diagnose der Knochenhautentzündung sollten Verletzungen mit ähnlichem Beschwerdebild ausgeschlossen werden um eine zielgerichtete Behandlung einleiten zu können. Zu denken ist dabei an Ermüdungsbrüche (Stressfrakturen) im Bereich des Unterschenkels, an das Kompartmentsyndrom oder aber auch an eine banale Muskelverhärtung. Die letzten beiden treten zumeist auf der Außenseite bzw. Rückseite des Unterschenkels auf. Beim Kompartmentsyndrom setzt zudem eine akute Linderung der Beschwerden mit Belastungsabbruch ein. Das hat das Kompartmentsyndrom auch mit der Stressfraktur gemeinsam. Auch hier verschwinden die Beschwerden zumeist nach Belastungsende. Die Symptome bei einem Ermüdungsbruch sind ansonsten denen des Schienbeinkantensyndroms sehr ähnlich. Ausschließen lässt sich die Stressfraktur relativ sicher mittels eines MRTs (Magnetresonanztomographie).


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Ursachen Checkliste für mögliche Auslöser der Knochenhautentzündung mit entsprechenden Präventionsmaßnahmen

Natürlich können auch die Laufschuhe und/oder die Sporteinlagen für eine Knochenhautentzündung verantwortlich sein, zumeist sind es aber einfach Trainingsfehler oder plötzliche (nicht entsprechend vorbereitete) Veränderungen der Trainingsbedingungen. Wichtig ist die Ursache zu finden und diese abzustellen. Damit kann effektiv das Risiko eines Wiederaufflammens der Beschwerden reduziert werden. Des öfteren ist es nicht ein Auslöser alleine sondern eine Kombination mehrerer Faktoren die zur Entzündung führt. Gerade beim Laufen, dass als Bewegungsform für den Körper sehr monoton ist, ist an Ursachen zu denken die erst durch sehr häufige Wiederholung zum Problem werden. Mögliche Ursachen der Knochenhautentzündung können sein:

  • unpassende, abgelaufene Laufschuhe (z. B. Stabilschuhe bei neutralem Abrollvorgang)

=> Neue Laufschuhe die zum Laufstil und zu den orthopädischen Gegebenheiten passen kaufen.

  • zu stabile / zu stark gedämpfte Laufschuhe

=> Stabilität und Dämpfung auf das benötigte Maß reduzieren

=> mehrere Laufschuhe im Wechsel tragen

=> Orthopädische Einlage und Laufschuh sollten immer eine Einheit bilden und definitiv nicht überkorrigieren. Das sollte mittels Laufanalyse untersucht werden. Oft reichen bei orthopädischen Einlagen Neutrallaufschuhe.

  • abrupter Wechsel der Laufschuhe (z. B. zu schnelle Umstellung auf Natural Running Schuhe, ungewohntes Laufen in Spikes)

=> ein regelmäßiger Wechsel der Laufschuhe ist ein guter Verletzungsschutz aber gerade wenn sich diese deutlich voneinander unterscheiden (z. B. Stabilschuh und Spikes), sollte dem Körper ausreichend Zeit gegeben werden sich daran zu gewöhnen

  • zu schmal geschnittener Vorfußbereich des Laufschuhs, der ein freies Bewegen der Zehen verhindert

=> bei der Auswahl des Laufschuhs sollte unbedingt auf ausreichend viel Platz zur Seite und nach vorne geachtet werden

=> ggf. Laufschuh mit Pronationsstütze und/oder orthopädische Einlage

=> Optimierung der Lauftechnik

=> Kräftigungs- und Koordinationsprogramm insbesondere für die sprunggelenksnahe Muskulatur, die Unterschenkel- und die Fußmuskulatur (Kippelbrett, Ballkissen, Fußkreisel, Balancepad, Barfußlaufen, …)

=> Kontrolle des Laufschuhs. Ist dieser zu stabil kann das eine Vorfußsupination verursachen. Dann wäre es wichtig einen weniger stabilen Laufschuh zu wählen.

=> wenn die Vorfußsupination nicht durch den Schuh verursacht ist, dann Wahl von supinierergeeigneten Laufschuhen

=> S. Punkt 2 – 3 bei Knick-Senkfuß mit Überpronation

  • „schlechter“, inaktiver Laufstil (wobei die Knochenhautentzündung sowohl beim Rück- als auch beim Vorfußläufer auftreten kann)

=> Optimierung der Lauftechnik

=> S. Punkt 3 bei Knick-Senkfuß mit Überpronation

  • abrupter Wechsel des Laufstils

=> falls überhaupt dann langsamer Umstieg mit entsprechender Begleitung durch Koordinations- und Kräftigungsprogramm

  • muskuläre Dysbalance im Bereich der Unterschenkelmuskulatur

=> S. Punkt 3 bei Knick-Senkfuß mit Überpronation

  • (zu häufiges) Laufen auf schrägem Untergrund

=> Weg-/Straßenseite wechseln, Laufrichtung wechseln

  • (zu häufiges) Laufen auf hartem Untergrund (Asphalt, Beton)

=> vorsichtige Steigerung des Trainings

=> regelmäßig Laufuntergrund wechseln

  • abrupter Wechsel des Laufuntergrunds oder Laufen auf ungewohntem Untergrund (z. B. plötzliche wetterbedingte Umstellung von Waldweg auf Straße, Laufen auf der Tartanbahn)

=> Untergründe regelmäßig wechseln und langsam daran gewöhnen v. a. wenn übermässig auf nur einem Untergrund trainiert wird. Wettkampfuntergrund zumindest teilweise als Trainingsuntergrund verwenden.

  • zu schnelle Umfangs- und/oder Intensitätssteigerung

=> nie beides gleichzeitig steigern

=> auf ausreichende Regeneration achten

=> systematischer Trainingsaufbau, Einhalten von klassischen Trainingsprinzipien

=> ausreichende Regenerationszeiten einplanen

  • keine oder zu kurze Aufwärmphase v. a. bei intensiveren Belastungen

=> den Körper ausreichend auf das Training vorbereiten (lockeres Einlaufen, Laufschuleelemente, Steigerungsläufe)

  • schlechter Trainingszustand

=> keine Experimente bezüglich Streckenlänge, Laufuntergrund, Laufschuhe, Laufstil, usw.

  • Laufanfänger, Läufer die weniger als 3 Jahre laufen (Knochenhautentzündung ist eine typische Laufkinderkrankheit)

=> vorsichtige Umfangssteigerung

=> langsamer, systematischer Trainingsaufbau

Ein Blick in die Trainingsdokumentation (falls vorhanden) kann helfen mögliche Ursachen aufzudecken. Gerne werden diese außerhalb des eigenen direkten Verantwortungsbereichs gesucht. Der neue Laufschuh oder die Sporteinlage werden zumeist zuerst verdächtigt. Eigene Fehler sind schwerer einzugestehen. Häufig sind es aber die banalen Trainingsfehler (zu schnell, zu viel, zu wenig vorbereitet, …) die die Knochenhautentzündung auslösen.


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Behandlungsmöglichkeiten der Knochenhautentzündung

Wichtig ist wie oben geschrieben die Ursache für die Knochenhautentzündung zu finden. Je nach Auslöser oder Auslösern richten sich die Behandlungsansätze. Erstes Ziel muss immer sein die akute Entzündung zu bekämpfen. Dabei hilft im Falle einer Knochenhautentzündung vor allem eines: Laufpause. Keiner hört es gerne, niemand mag sie aber beim Thema Shin Splint ist sie zwingend notwendig um die Beschwerden schnell in den Griff zu bekommen. Gerade weil die Schmerzen v. a. zu Beginn tolerierbar sind und ein Lauftraining nach wie vor möglich ist, besteht die Gefahr, dass die Beschwerden zu lange ignoriert werden und diese sich chronisch manifestieren. Ist es erstmal soweit, dann ist zumeist für längere Zeit nicht mehr an ein regelmäßiges Lauftraining zu denken. Die Genesung verlängert sich um ein Vielfaches. Deshalb muss es das Ziel sein rechtzeitig zu pausieren um die Entzündung schnell wieder los zu werden. Dann können bei konsequenter Behandlung und Schonung des betroffenen Bereichs die Beschwerden auch nach 2 – 4 Wochen schon erledigt sein.

Folgende Maßnahmen können einzeln oder besser noch als Kombination eingesetzt werden um die Entzündung zurückzudrängen, eine Reduzierung der Schwellung zu erreichen, den Schmerz zu lindern und/oder für Kühlung zu sorgen:

  • Laufpause bis zur vollständigen Schmerzfreiheit. Danach langsame Wiederaufnahme des Trainings. Aber Achtung: Ein zu früher Wiedereinstieg erhöht die Gefahr des Wiederaufkommens der Beschwerden deutlich und verzögert den Heilungsprozess erheblich. Falls schmerzfrei (!) möglich während der Heilungsphase Alternativsportarten (Schwimmen, Radfahren, usw.) aber ohne Leistungsambitionen zum Formerhalt und zur Stillung des Bewegungsdrangs aufnehmen.
  • Im akuten Stadium Eisanwendungen. Am besten die betroffene Stelle mit einem Eiswürfel massieren. Alternativ in einem Joghurtbecher Wasser zum Gefrieren bringen und dann mit diesem Eisklotz die Massage vornehmen.
  • im weiteren Verlauf kalt-warme Wechselbäder
  • entzündungshemmende Salben wie z. B. Voltaren ggf. auch als Salbenverband über Nacht
  • entzündungshemmende Medikamente wie z. B. Voltaren Tabletten
  • kühlende Salben / Cremes wie z. B. Sport Lavit Pferdesalbe oder weißer Tigerbalsam
  • Feucht-warmer Verband mit Enelbin Paste am besten über Nacht. Mein Geheimtipp:  Enelbin Paste (gibt es in der Apotheke) dick auf ein Stück Verbandsstoff auftragen und auf die schmerzende Stelle legen. Dann eine Schicht Frischhaltefolie drüber. Dann 2 Rollen Universalbinde straff darum wickeln (wichtig der Verband soll fest sitzen aber nicht schmerzhaft drücken!). Fertig.
  • Quarkwickel. Hierzu wird haushaltsüblicher Margerquark verwendet. Den kalten Quark rund 0,5 cm dick auf ein Tuch auftragen und dann mittels Universalbinden fest an der betroffenden Stelle fixieren. Nach 20 Minuten den Quarkwickel entfernen. Ggf. mehrmals täglich wiederholen.
  • physiotherapeutische Maßnahmen wie z. B. Massage der Knochenhaut oder der angrenzenden Muskeln
  • physikalische Maßnahmen wie z. B. Magnetresonanztherapie
  • Akupunktur
  • Tapen der Unterschenkel mit Kinesiotape

Jeder reagiert unterschiedlich auf bestimmte Maßnahmen und auch nicht jede Maßnahme macht bei jedem Läufer gleich viel Sinn (z. B. je nach Ursache der Entzündung). Deshalb gilt es hier auszuprobieren. Was auf jeden Fall hilft ist Geduld und der feste Glaube daran wieder schmerzfrei laufen zu können. Mit dem langsamen Wiedereinstieg sollte erst bei absoluter Schmerzfreiheit begonnen werden. Des weiteren sollte die Schienbeinkante nicht mehr druckempfindlich sein. Dann steht schmerzfreiem Laufen nichts mehr im Weg.

Viel Erfolg beim Bekämpfen der Läuferseuche Knochenhautentzündung! #packmas


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