31.03.2003 - Laufschuhtest der Zeitschrift RUNNING - Masse statt Klasse?

Kommentar


21 Seiten Laufschuhtest angereichert mit Tipps zum Laufschuhkauf und 5 Seiten Laufsockentest findet man u.a. in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift RUNNING. Zuerst werden die Tester vorgestellt und der Abrollvorgang des Fußes beschrieben. Dann gibt es Tipps zum Laufschuhkauf von Stephane Franke und ein kleines Lexikon mit den wichtigsten Begriffen aus der Welt der Laufschuhe. 7 Seiten umfasst alleine der Laufschuhtest für die Herrenlaufschuhe. Mal etwas anderes ist die Beleuchtung der Marketingaktivitäten der Hersteller, was auf 3 Seiten erfolgt. 2 Seiten Vorbericht für den Frauenlaufschuhtest und 4 Seiten Vorstellung von Frauenlaufschuhen runden das Thema Laufschuhe ab. Zu guter Letzt werden, nach einem 2-seitigen Vorbericht, auf 3 Seiten Laufsocken vorgestellt. Sehr aufwendig und umfassend wird der wichtigste Ausrüstungsgegenstand des Läufers betrachtet. Fast alle Informationen sind gut gegliedert und einfach und leicht verständlich gehalten.

Aber wie sieht es mit der Qualität des Testes aus? Hat die Masse der Informationen auch Klasse?

Als erstes werden die Testläufer bzw. verantwortlichen Fachleute des Laufschuhtestes vorgestellt. Neben Kristina da Fonseca-Wollheim, die die Frauenlaufschuhe getestet hat, haben Chefredakteur Jens Bodemer, Oliver Nixdorf (Personalentwicklung Runner's Point) und Pit Jenniches (Inhaber des Lauffachgeschäftes "City-Sport"-Lauflädle) die Herrenlaufschuhe unter die Füße genommen. Im Einleitungstext werden ein paar Worte zu aktuellen Entwicklungen in der Laufschuhbranche gegeben. Allerdings ohne in die Tiefe zu gehen, was man nach der Ankündigung im letzten Heft hätte erwarten können. Die Beschreibung des Wunderwerkes Fuß und dessen Abrollbewegung runden den ersten Teil informativ ab.

Im 2. Teil gibt Stephane Franke Tipps zum Laufschuhkauf. Die Tipps kratzen aber lediglich an der Oberfläche. Sicherlich sollte man das Thema nicht überdramatisieren, etwas mehr Gehalt wäre hier jedoch angebracht. Die Fußform und -fehlstellungen als alleiniges, orthopädisches Beurteilungskriterium für die Laufschuhwahl zugrunde zu legen ist nicht mehr up-to-date. Da war die Zeitschrift RUNNING im Herbst letzten Jahres schon einen Schritt weiter, als Matthias Marquardt zusammen mit Björn Gustafsson ausführlich die orthopädischen Bestimmungsfaktoren erläuterte. Im Lexikon werden 7 wichtige Begriffe aus der Welt der Laufschuhe vorgestellt. Darunter sind neben den Standardbegriffen Pronation, Überpronation, Supination auch die folgenden Punkte erklärt: Stabilschuh, Lightweightmodell, Wettkampfschuhe, Marathonschuhe, Lebensdauer von Laufschuhen und zu guter Letzt die Schuhpflege.

Im ersten Teil des Laufschuhtestes werden 26 Herrenmodelle vorgestellt. Folgende Modelle wurden getestet: Cairo, Supernova Cushion, Adistar Control (alle Adidas), Gel Kayano IX, Gel 1080 H2O, GT 2080 (alle Asics), Vapor V, Adrenaline GTS, Glycerin (alle Brooks), 2050 (Avia), Arrow (Karhu), 855, 830 (alle New Balance), Air Skylon, Air Structure Triax 7, Air Kantara (alle Nike), Complete Peerless II, Abound, Extol II (alle Puma), SGT 1000 (Fila), Push (Pearl Izumi), Grid Omni 3, 3D Grid Hurricane 5 (alle Saucony), Premier Lite, Premier Road, Premier Control (alle Reebok). Im Frauenlaufschuhtest wurden zusätzlich der Puma Prevail II, der Rykä Eclipse Trainer, der Adidas Brevard, der New Balance 764 und 716 sowie der Saucony Grid Trigon Responsive getestet. Fraglich erscheint mir die Sinnhaftigkeit der Trennung der beiden Testteile. Sicherlich benötigen Frauen andere Laufschuhe als Männer, was auch sehr ausführlich und fundiert auf 2 Seiten zur Einleitung des Frauenlaufschuhtestes dargestellt wird (sehr lesenswerter Abschnitt nicht nur für Frauen). Aber ein Großteil der Schuhe ist damit doppelt im Heft vertreten, ohne besondere Zusatzinformationen bläht diese Aufteilung den Test unnötig auf. Interessanter wäre für die Leserinnen eine Vorstellung von Laufschuhen gewesen, die es eben nicht auch als Herrenmodell gibt. Der Test für die Frauenlaufschuhe ist zudem etwas schlichter vom Inhalt gehalten. Ob man da Frauen weniger Interesse oder Involvement unterstellt :-/ Unverständlich ist für mich zudem die Tatsache, warum bei den Frauen in leichte, mittelschwere und schwere Läuferinnen unterschieden wurde und bei den Herrenmodellen lediglich in leichte und schwere Läufer. Darüber hinaus fehlt eine Definition der Gewichtsklassen. Dadurch lässt sich dieses Kriterium nicht beurteilen. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass man zumindest teilweise Schuhe ganz klar als ungeeignet für bestimmte Läufertypen erklärt. Dies ist eine der häufigsten Schwächen der Laufschuhtests. Die Aussage "Jeder Schuh ist für jeden Läufer noch irgendwie geeignet" hilft mit als Käufer nicht weiter.

Eine Einteilung in Laufschuhklassen erfolgt nicht. Zur leichteren Orientierung und v.a. als Einkaufshilfe wäre das aber äußerst sinnvoll gewesen. Haarsträubend sind die Zuordnungen mancher Schuhe zu den Fußtypen (mangels Laufschuhklassen). Auszugsweise einige Beispiele: So wird der neutrale Laufschuh Adidas Supernova Cushion für Überpronierer als geeignet eingeordnet. Die gleiche Wertung erhält der Brooks Vapor, der über eine Pronationsstütze verfügt. Das passt nicht. Auch der neutrale Lightweighttrainer NB 830 ist sicherlich kein Schuh für Überpronierer (zumindest nicht ohne Einlage) auch wenn er im Test als ein solcher dargestellt wird. Das der Nike Air Kantara im Vorfuß schlechter wie der Air Structure Triax gedämpft ist und zudem für Supinierer noch bedingt geeignet ist, halte ich ebenfalls für ein Gerücht. Empfehlungen wie die des Adidas Adistar Control für alle Fußtypen kennt man eigentlich nur von Zeitschriften wie Fit for fun. Ein Schuh mit einer durchgehenden 2. Zwischensohlenhärte und einer ins Dämpfungssystem intergrierten Pronationsstütze (konvexes Element), der teilweise sogar als Bewegungskontrollschuh angeboten wird, ist für den Neutralfußläufer und Supinierer alles andere als geeignet. Widersprüche wie das Testergebnis für den GT 2080, der bei den Männern richtig als für Supinierer ungeeignet eingeteilt wird und bei den Frauen als bedingt geeignet, hinterlassen ein konfuses Bild. Da ist es schon ein kleines Übel, dass im Herrenlaufschuhtest beispielsweise der GT 2080 als Damenmodell abgebildet ist. Wenn man die Testteile schon trennt, dann sollten auch die Bilder jeweils passen. Einige Rechtschreibfehler stören den Lesefuß des Testes sowie der Berichte. Das sollte sich vermeiden lassen.

Leider plaudern Oliver Nixdorf und Pit Jenniches nicht aus ihrer langjährigen Beratungspraxis. Beide hätten hier den Test entscheidend aufwerten können. Immerhin erfolgen einige persönliche kritische Anmerkungen und die Beschreibungen der Schuhe im Fazit sind (größtenteils) brauchbar. Die Tradition der kritischen Betrachtung der Laufschuhe im RUNNING-Laufschuhtest wurde zumindest teilweise beibehalten.

Lesenswert (zumindest für den Laufschuhinteressierten) ist der 3-seitige Bericht über die Marketingaktivitäten der Laufschuhhersteller. Wer liegt am Markt vorne? Wer bietet welches Sortiment an? Welche Innovationen haben die Hersteller hervorgebracht? Wer ist Technologieführer? Wie sieht das Sponsoring aus? ..... Antworten auf diese Fragen und weitere Informationen findet man in diesem mal etwas anderen (Stärke von RUNNING) Artikel.

Gut ist auch immer der alljährliche Sockentest. Auf 3 Seiten bekommt man einen Überblick über die gängigsten Laufsocken. Und da soll noch mal einer sagen, dass nur Falke Laufsocken machen würde.

Fazit: Ein Laufschuhtest dessen Umfang nicht über die vorhandenen Schwächen hinwegtäuschen kann. Das "Drumherum" ist gut und informativ. Der eigentliche Test nur durchschnittlich.

Den aktuellen Laufschuhtest der Zeitschrift RUNNING kannst du dir kostenlos auf der Seite von
Runner's Point herunterladen.

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RUNNING Special 02/2003  (c) RUNNING

In der aktuellen Ausgabe
(Special 02/2003)
stellt RUNNING
 32 Laufschuhe vor.

 



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