25.03.2003 - Runner´s World testet in der aktuellen Ausgabe 33 Laufschuhe

Kommentar


In der aktuellen Ausgabe (04/2003) stellt Runner's World im alljährlichen Frühjahreslaufschuhtest 33 Laufschuhe vor. Darüber hinaus werden 20 Tipps zum Laufschuhkauf gegeben und 13 Fachbegriffe im Laufschuhlexikon erklärt. Wie jedes Jahr ein schön aufgemachter, farbiger Artikel. Alle Laufschuhe werden übersichtlich mit Foto, längerem Text zum jeweiligen Modell, einem Kurz-Urteil, einer Klasseneinteilung und zum Abschluss den technischen Daten vorgestellt.

Doch wollen wir auch dieses Mal den Test kritisch betrachten. Was hat sich verbessert zu den vorangegangenen Tests? Wie hilfreich ist der Test und der begleitende Artikel? Wo liegen Schwachpunkte?

Betrachten wir als erstes die Tipps zum Laufschuhkauf. Hier werden 20 Tipps aufgelistet. Alle Tipps sind wirklich gut, nur wird bei den Faktoren, die eine Rolle bei der Auswahl des Schuhes spielen (Tipp Nr. 8) z.B. die nicht außer Acht zu lassende Beinachse vergessen. Weitere wichtige Punkte wie die Ganglinie, eventuell vorhandene Einlagen und v.a. die nicht unerhebliche Frage nach dem Laufstil fehlen ebenfalls. Bei Runner's World wird wohl vom Rückfußlaufstil ausgegangen, da die Frage nach dem Laufstil nicht nur nicht erwähnt wird, sondern auch bei dem Abschnitt "Der passende Laufschuh" immer vom Rückfußlaufstil ausgegangen wird.

Im Laufschuhlexikon werden die gängigsten Fachbegriffe aus der Welt der Laufschuhe erläutert. So werden z.B. die Klassiker Überpronation und Supination erklärt. Die unterschiedlichen Fußformen bzw. -fehlstellungen werden im Abschnitt "Der passende Laufschuh" erläutert. Dieser Abschnitt ist wie jedes Mal einer der ganz großen Schwachpunkte. Hier werden Einteilungen in die Laufschuhklassen alleine aufgrund des Fußtyps vorgenommen. Sicherlich ist der Fußtyp ein wesentliches Einteilungskriterium nur eben nicht das alles entscheidende. Der Test zur Bestimmung des Fußtyps "den nassen Fuß auf einen wassersaugenden Untergrund stellen", macht wenig Sinn. Dabei erfolgt, wenn überhaupt, eine Bestimmung der statischen Verhältnisse. Viel wichtiger sind aber die dynamischen Verhältnisse, d.h. das Verhalten von Fuß und Beinachse unter Bewegung. So muss ein Senkfuß nicht unbedingt mit einer Überpronation einhergehen.

Haarsträubend bleibt die Schuhempfehlung für Normalfußläufer, die jedes Jahr widersprüchlich ist. So wird der Normalfuß als Fuß mit normalem (neutralem) Fußgewölbe beschrieben, der eine natürliche Pronation aufweist. Diese Fußform könnte man nach der Beschreibung als Neutralfuß bezeichnen. Fraglich ist aber die Empfehlung, bei solch einem Fuß einen Stabilschuh, d.h. einen Schuh mit einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Pronationsstütze zu tragen. Warum in aller Welt denn das? Wenn ich einen neutralen Fuß (Normalfuß) mit natürlicher Pronation habe, dann benötige ich keine Schuhe mit einer Pronationsstütze. Diese ist in diesem Fall total überflüssig und kontraproduktiv. Total unverständlich ist diese Aussage, wenn man weiter unten liest, dass die Pronation "immens wichtig für eine gesunde Fußführung ist". Mit einem Stabilschuh wird dieser natürliche Dämpfungsmechanismus wegkorrigiert und der Fuß in eine unnatürliche Abrollbewegung gedrückt. Hier müsste die Empfehlung lauten: "Wählen Sie Schuhe der Kategorie Dämpfung". Leichtgewichtige Überpronierer sind mit Stabilschuhen sicherlich gut bedient. Selbst die meisten mittel- und schwergewichtigen Läufer mit einer Überpronation kommen meist mit Stabilschuhen gut zurecht und benötigen keine Bewegungskontrollschuhe wie unter dem Text "Senkfuß" empfohlen wird. Die Praxis zeigt auch, dass die Zahl von 75 % Überpronierer etwas hoch gegriffen ist. Im Text "Hohlfuß" werden für Normalfußläufer die passenden Dämpfungsschuhe empfohlen. Die Frage bleibt warum vorher Stabilschuhe empfohlen werden.

Im eigentlichen Laufschuhtest überwiegt mit 19 Modellen ganz klar die Klasse der Stabilschuhe, gefolgt von den Bewegungskontrollschuhen mit 7 Modellen. Das macht in der Summe 26 Schuhe mit Pronationsstütze. Leider kommen die Dämpfungsschuhe mit nur 5 Modellen zu kurz. Zumal man den Puma Complete Extol sicherlich aufgrund der Pronationsstütze im Rückfuß nicht zu den Cushionschuhen zählen kann. Demnach wären es sogar 27 gestützte Modelle. Das ist bei den RW zur Verfügung stehenden Möglichkeiten etwas einseitig. Zumal sich der Trend hin zu weniger Stabilität fortsetzen wird. Für einen Frühjahres/Sommertest sind 2 Trailschuhe sicherlich ausreichend, da diese Schuhklasse in der wärmeren Jahreszeit nicht so stark gefragt ist. Die Klasse Lightweighttrainer/Wettkampfschuhe wird im Maiheft vorgestellt.

Sehr gut ist die Herstellerverteilung der getesteten Modelle. So sind neben 4 Modellen von Adidas (Adistar Control, Brevard 2, Cairo II, Supernova Cushion), 4 von Asics (Gel Eagle Trail II, Gel Kayano IX, Gel 1080 H2O, GT 2080), 3 von Brooks (Beast/Ariel, Adrenalin GTS, Dyad), 1 von Diadora (Mythos 330), 2 von Fila (FGT 1000, Fly), 3 von New Balance (716, 1022, 1122), 2 von Nike (Air Structure Triax 7, Air Trail Pegasus), 2 von Puma (Abound II, Extol II), 3 von Reebok (Premier Control, Premier Stability, Premier Road), 1 von Rykä (Stability km5) und 2 von Saucony (Grid Hurricane 5, Grid Stabil MC) zu finden. Besonders erwähnenswert ist die Tatsache, dass auch Modelle der Rückkehrer auf den deutschen Markt Avia (2050, 2097), Etonic (Street Fighter) und Mizuno (Wave Mercury, Wave Renegade, Wave Rider) vorgestellt werden.

Positiv fällt bei den Modellvorstellungen auf, dass etwas mehr kritische Töne als in der Vergangenheit auftauchen, was bei der großen Zahl von rund 200 Testläufer/innen eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein müsste. Soviel total begeisterte und 100 % überzeugte Läufer/innen kann es bei den teilweise nicht unerheblichen Veränderungen der Modelle gar nicht geben. Es werden Anmerkungen zur Passform gemacht: z.B. wird beim Adidas Adistar Control auf die enge Passform hingewiesen. Endlich wurden auch bei den Urteilen die Zielgruppen etwas deutlicher herausgestellt. So wird z.B. ein Reebok Premier Control nur für schwere Überpronierer empfohlen (alles andere würde auch keinen Sinn machen).

Die unklare Punkteverteilung bei den technischen Daten schränkt die Aussagekraft des Testes allerdings wieder etwas ein. "Jeder Schuh ist für fast jeden geeignet" so könnte man die teilweise unlogische Einordnung der Schuhe zusammenfassen. Ein Schuh wie der Asics Gel Kayano, der als Grenzgänger zwischen einem Stabil- und einem Bewegungskontrollschuh zu sehen ist, ist für Supinierer (Unterpronierer) absolut ungeeignet und nicht wie im Test zu lesen ist noch ausreichend geeignet. Selbst für Normalfußläufer ist dieser Schuh noch zu stabil und deshalb auf keinen Fall als gut geeignet zu bezeichnen, wie Runner's World das im Test macht. Diese unpassende Einteilung findet sich bei fast allen Schuhen der Klassen Stabil- und Bewegungskontrollschuhe. Hier wäre eine eindeutigere Trennung der Klassen wünschenswert. Ein Schuh der für Überpronierer empfohlen wird, kann nicht zugleich für Supinierer und Normalfußläufer gleichermaßen geeignet sein.

Die Klasseneinteilung der Laufschuhe ist in sich stimmig. Klar lässt sich bei Modellen wie dem Adidas Cairo oder dem Asics Gel Kayano streiten wo man sie nun hin steckt. Die Beschreibung der beiden zeigt aber klar deren Stellung als Grenzgänger zwischen den Stabil- und Bewegungskontrollschuhen. Anders verhält es sich beim Puma Extol II der auf keinen Fall ein Neutrallaufschuh (Kategorie Dämpfung) ist. Die Pronationsstütze im Rückfußbereich ist so stabil, dass er nicht mehr zu den Cushionschuhen gezählt werden kann.

Fazit: Der Test gehört sicherlich zu den besten auf dem deutschen Markt und gibt einen guten Überblick über die angebotenen Modelle. Als Einkaufshilfe ist er aber aufgrund der nicht trennscharfen Klassenabgrenzung nur bedingt geeignet. Für die Zukunft wäre es wünschenswert, dass endlich die unpassende Definition des Normalfußläufers überarbeitet wird und richtig stabile Schuhe nicht mehr für Supinierer und Normalfußläufer empfohlen werden. Des weiteren wäre etwas mehr Mut zur Kritik an den Schuhen der Qualität des Testes sicherlich nicht abträglich (höchstens dem wichtigen Anzeigengeschäft ;-).

Teile des Laufschuhtests von Runner's World sowie weitere Tipps zum Laufschuhkauf findest du auf der Internetseite von Runner's World.


Runner's World Aprilausgabe  (c) Runner's World

In der aktuellen Ausgabe
(04/2003) stellt Runner's World
33 Laufschuhe vor.

 



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