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In der aktuellen Ausgabe (04/2003) stellt Runner's World im alljährlichen
Frühjahreslaufschuhtest 33 Laufschuhe vor. Darüber hinaus werden 20 Tipps
zum Laufschuhkauf gegeben und 13 Fachbegriffe im Laufschuhlexikon erklärt.
Wie jedes Jahr ein schön aufgemachter, farbiger Artikel. Alle Laufschuhe
werden übersichtlich mit Foto, längerem Text zum jeweiligen Modell, einem
Kurz-Urteil, einer Klasseneinteilung und zum Abschluss den technischen Daten
vorgestellt.
Doch wollen wir auch dieses Mal den Test kritisch betrachten. Was hat sich
verbessert zu den vorangegangenen Tests? Wie hilfreich ist der Test und der
begleitende Artikel? Wo liegen Schwachpunkte?
Betrachten wir als erstes die Tipps zum Laufschuhkauf. Hier werden 20 Tipps
aufgelistet. Alle Tipps sind wirklich gut, nur wird bei den Faktoren, die
eine Rolle bei der Auswahl des Schuhes spielen (Tipp Nr. 8) z.B. die nicht
außer Acht zu lassende Beinachse vergessen. Weitere wichtige Punkte wie die
Ganglinie, eventuell vorhandene Einlagen und v.a. die nicht unerhebliche
Frage nach dem Laufstil fehlen ebenfalls. Bei Runner's World wird wohl vom
Rückfußlaufstil ausgegangen, da die Frage nach dem Laufstil nicht nur nicht
erwähnt wird, sondern auch bei dem Abschnitt "Der passende Laufschuh" immer
vom Rückfußlaufstil ausgegangen wird.
Im Laufschuhlexikon werden die gängigsten Fachbegriffe aus der Welt der
Laufschuhe erläutert. So werden z.B. die Klassiker Überpronation und
Supination erklärt. Die unterschiedlichen Fußformen bzw. -fehlstellungen
werden im Abschnitt "Der passende Laufschuh" erläutert. Dieser Abschnitt ist
wie jedes Mal einer der ganz großen Schwachpunkte. Hier werden Einteilungen
in die Laufschuhklassen alleine aufgrund des Fußtyps vorgenommen.
Sicherlich ist der Fußtyp ein wesentliches Einteilungskriterium nur eben
nicht das alles entscheidende. Der Test zur Bestimmung des Fußtyps "den
nassen Fuß auf einen wassersaugenden Untergrund stellen", macht wenig Sinn.
Dabei erfolgt, wenn überhaupt, eine Bestimmung der statischen Verhältnisse.
Viel wichtiger sind aber die dynamischen Verhältnisse, d.h. das Verhalten
von Fuß und Beinachse unter Bewegung. So muss ein Senkfuß nicht unbedingt
mit einer Überpronation einhergehen.
Haarsträubend bleibt die Schuhempfehlung für Normalfußläufer, die jedes Jahr
widersprüchlich ist. So wird der Normalfuß als Fuß mit normalem (neutralem)
Fußgewölbe beschrieben, der eine natürliche Pronation aufweist. Diese
Fußform könnte man nach der Beschreibung als Neutralfuß bezeichnen. Fraglich
ist aber die Empfehlung, bei solch einem Fuß einen Stabilschuh, d.h. einen
Schuh mit einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Pronationsstütze zu
tragen. Warum in aller Welt denn das? Wenn ich einen neutralen Fuß
(Normalfuß) mit natürlicher Pronation habe, dann benötige ich keine Schuhe
mit einer Pronationsstütze. Diese ist in diesem Fall total überflüssig und
kontraproduktiv. Total unverständlich ist diese Aussage, wenn man weiter
unten liest, dass die Pronation "immens wichtig für eine gesunde Fußführung
ist". Mit einem Stabilschuh wird dieser natürliche Dämpfungsmechanismus
wegkorrigiert und der Fuß in eine unnatürliche Abrollbewegung gedrückt. Hier
müsste die Empfehlung lauten: "Wählen Sie Schuhe der Kategorie Dämpfung".
Leichtgewichtige Überpronierer sind mit Stabilschuhen sicherlich gut
bedient. Selbst die meisten mittel- und schwergewichtigen Läufer mit einer
Überpronation kommen meist mit Stabilschuhen gut zurecht und benötigen keine
Bewegungskontrollschuhe wie unter dem Text "Senkfuß" empfohlen
wird. Die Praxis zeigt
auch, dass die Zahl von 75 % Überpronierer etwas hoch gegriffen ist. Im Text
"Hohlfuß" werden für Normalfußläufer die passenden Dämpfungsschuhe
empfohlen. Die Frage bleibt warum vorher Stabilschuhe empfohlen werden.
Im eigentlichen Laufschuhtest überwiegt mit 19 Modellen ganz klar die Klasse
der Stabilschuhe, gefolgt von den Bewegungskontrollschuhen mit 7 Modellen.
Das macht in der Summe 26 Schuhe mit Pronationsstütze. Leider kommen die
Dämpfungsschuhe mit nur 5 Modellen zu kurz. Zumal man den Puma Complete
Extol sicherlich aufgrund der Pronationsstütze im Rückfuß nicht zu den
Cushionschuhen zählen kann. Demnach wären es sogar 27 gestützte Modelle. Das
ist bei den RW zur Verfügung stehenden Möglichkeiten etwas einseitig. Zumal
sich der Trend hin zu weniger Stabilität fortsetzen wird. Für einen
Frühjahres/Sommertest sind 2 Trailschuhe sicherlich ausreichend, da diese
Schuhklasse in der wärmeren Jahreszeit nicht so stark gefragt ist. Die
Klasse Lightweighttrainer/Wettkampfschuhe wird im Maiheft vorgestellt.
Sehr gut ist die Herstellerverteilung der getesteten Modelle. So sind neben 4
Modellen von Adidas (Adistar Control, Brevard 2, Cairo II, Supernova Cushion), 4 von Asics
(Gel Eagle Trail II, Gel Kayano IX, Gel 1080 H2O, GT 2080), 3 von Brooks
(Beast/Ariel, Adrenalin GTS, Dyad), 1 von Diadora (Mythos 330), 2 von Fila (FGT
1000, Fly), 3
von New Balance (716, 1022, 1122), 2 von Nike (Air Structure Triax 7, Air
Trail Pegasus), 2 von Puma (Abound II, Extol II), 3 von Reebok (Premier
Control, Premier Stability, Premier Road), 1 von Rykä (Stability km5) und 2 von
Saucony (Grid Hurricane 5, Grid Stabil MC) zu finden. Besonders erwähnenswert ist die Tatsache, dass auch Modelle der Rückkehrer
auf den deutschen Markt Avia (2050, 2097), Etonic (Street Fighter) und Mizuno (Wave
Mercury, Wave Renegade, Wave Rider) vorgestellt
werden.
Positiv fällt bei den Modellvorstellungen auf, dass etwas mehr kritische
Töne als in der Vergangenheit auftauchen, was bei der großen Zahl von
rund 200 Testläufer/innen eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein
müsste. Soviel total begeisterte und 100 % überzeugte Läufer/innen kann es
bei den teilweise nicht unerheblichen Veränderungen der Modelle gar nicht
geben. Es werden Anmerkungen zur Passform gemacht: z.B. wird beim Adidas
Adistar Control auf die enge Passform hingewiesen. Endlich wurden auch bei
den Urteilen die Zielgruppen etwas deutlicher herausgestellt. So wird z.B.
ein Reebok Premier Control nur für schwere Überpronierer empfohlen (alles
andere würde auch keinen Sinn machen).
Die unklare Punkteverteilung bei den technischen Daten schränkt die
Aussagekraft des Testes allerdings wieder etwas ein. "Jeder Schuh ist für
fast jeden geeignet" so könnte man die teilweise unlogische Einordnung der
Schuhe zusammenfassen. Ein Schuh wie der Asics Gel Kayano, der als
Grenzgänger zwischen einem Stabil- und einem Bewegungskontrollschuh zu sehen
ist, ist für Supinierer (Unterpronierer) absolut ungeeignet und nicht wie im
Test zu lesen ist noch ausreichend geeignet. Selbst für Normalfußläufer ist
dieser Schuh noch zu stabil und deshalb auf keinen Fall als gut geeignet zu
bezeichnen, wie Runner's World das im Test macht. Diese unpassende
Einteilung findet sich bei fast allen Schuhen der Klassen Stabil- und
Bewegungskontrollschuhe. Hier wäre eine eindeutigere Trennung der Klassen
wünschenswert. Ein Schuh der für Überpronierer empfohlen wird, kann nicht
zugleich für Supinierer und Normalfußläufer gleichermaßen geeignet sein.
Die Klasseneinteilung der Laufschuhe ist in sich stimmig. Klar lässt
sich bei Modellen wie dem Adidas Cairo oder dem Asics Gel Kayano streiten wo
man sie nun hin steckt. Die Beschreibung der beiden zeigt aber klar deren
Stellung als Grenzgänger zwischen den Stabil- und Bewegungskontrollschuhen.
Anders verhält es sich beim Puma Extol II der auf keinen Fall ein
Neutrallaufschuh (Kategorie Dämpfung) ist. Die Pronationsstütze im
Rückfußbereich ist so stabil, dass er nicht mehr zu den Cushionschuhen
gezählt werden kann.
Fazit: Der Test gehört sicherlich zu den besten auf dem deutschen
Markt und gibt einen guten Überblick über die angebotenen Modelle. Als
Einkaufshilfe ist er aber aufgrund der nicht trennscharfen Klassenabgrenzung
nur bedingt geeignet. Für die Zukunft wäre es wünschenswert, dass endlich
die unpassende Definition des Normalfußläufers überarbeitet wird und richtig
stabile Schuhe nicht mehr für Supinierer und Normalfußläufer empfohlen
werden. Des weiteren wäre etwas mehr Mut zur Kritik an den Schuhen der
Qualität des Testes sicherlich nicht abträglich (höchstens dem wichtigen
Anzeigengeschäft ;-).
Teile des Laufschuhtests von Runner's World sowie weitere Tipps zum Laufschuhkauf findest du auf der Internetseite von
Runner's World. |

In der aktuellen Ausgabe
(04/2003) stellt Runner's
World
33 Laufschuhe vor.
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