22.03.2005 - Runner's World Laufschuhtest - Layout top, Inhalt Flop

Kommentar


So lässt sich kurz und knapp der aktuelle Laufschuhtest der Fachzeitschrift Runners World zusammenfassen. Wieder einmal ist der Test unkritisch und inhaltlich nicht übermäßig fundiert.

In der aktuellen Ausgabe (04/2005) stellt Runner's World im alljährlichen Frühjahreslaufschuhtest 41 neue Laufschuhe vor. In dem 18seitigen Artikel wird zunächst auf zwei Seiten auf den Runner's World Laufschuhtest (Vorgehensweise u. ä) eingegangen. Eine "Entschuldigung" für den unkritischen Test wird dort gleich mitgeliefert. Zitat: "Manchmal werden wir gefragt, warum unsere Testurteile überwiegend positiv ausfallen. Dazu lässt sich sagen: Alle Schuhe, die wir vorstellen, entsprechen grundsätzlich den Anforderungen an einen funktionellen Laufschuh. Bei Modellen, die dies nicht gewährleisten, nehmen wir Rücksprache mit den Herstellern und weisen sie auf die Mängel hin. Diese Modelle kommen erst gar nicht in die Vorstellung." Trotz allem soll es Modelle geben, bei denen den Testläufern negative Dinge aufgefallen sind. Oder sind die amerikanischen Tester so schmerzfrei? :-/ Interessant und lesenswert ist der zweiseitige Vorschaltartikel "Wie viel Stabilität braucht ein Laufschuh?" in dem dieses zunehmend sensiblere Thema gut aufbereitet wird. Allerdings findet sich das dort Geschriebene nur ansatzweise im Laufschuhtest wieder.

Sehr gelungen ist die Aufmachung des Tests. Sehr gut aufgebaut, schöne Fotos und eine übersichtliche Seitengestaltung lassen den Test auf den ersten Blick sehr hochwertig erscheinen. Beim Blick auf den Inhalt kommen allerdings die Schwächen zu Tage. Die unterschiedlichen Fußformen bzw. -fehlstellungen wurden dieses Mal den einzelnen Laufschuhklassen zugeordnet und dort erklärt. Inhaltlich wurden sie im Vergleich zu den Vorjahren kaum verändert. Die Qualität dieser Abschnitte ist genauso schwach wie in den Jahren zuvor. Um sich selbst als Läufer in eine der fünf Laufschuhklassen einzuordnen wird empfohlen alleine den Fußtyp als Kriterium zugrunde zu legen. Der Fußtyp ist aber nur eines von vielen Einflusskriterien auf die Auswahl der Laufschuhe. In das Bild passt, dass RW weiterhin Stabilschuhe für Läufer mit natürlicher Pronation empfiehlt.

Im Laufschuhtest ist die Modellverteilung innerhalb der einzelnen Laufschuhklassen sehr gut. In allen Laufschuhklassen wurden ausreichend viele Modelle getestet. Neben 18 Stabilschuhen wurden 14 Neutrallaufschuhe, sechs Lightweighttrainer und drei Bewegungskontrollschuhe vorgestellt. Gut ist die Herstellerverteilung der getesteten Modelle. Neben vier Modellen von Adidas (G.F.F. Revenge, Adistar Cushion, Supernova Cushion, Supernova Competition), vier von Asics (Gel Kayano XI, GT 2100, Gel DS Trainer X, Gel Landreth), einem von Bär (Performance), drei von Brooks (Trance NXR, Glycerin 3, Axiom), einem von Diadora (Mythos Axeler), drei von Fila (Flow Sanctuary, Flow Providence, Flow Reckoning), zwei von Karhu (Wire AP, Ypsilon), drei von Mizuno (Wave Inspire, Wave Nirvana, Wave Rider VIII), fünf von New Balance (1050, 854, 718, 844, 766), drei von Nike (Air Max Moto III, Air Perseus 2, Air Zoom Elite), einem von Pearl Izumi (Float), vier von Puma (Complete Tenos, Complete Theron, Complete Phasis II, Complete Phylas), drei von Reebok (Premier Road Plus II, Premier Ultra II, Premier Road Lite III), zwei von Rykä (Acend, N-Gage) ist eines von Saucony (3D Grid Triumph 2) im Test zu finden. Fraglich ist, ob so manches Modell unbedingt in den Laufschuhtest aufgenommen werden sollte. Schuhe wie ein Fila Flow Reckoning oder ein Pearl Izumi Float sind zum Beispiel nur äußerst schwer erhältlich. Die Modellzahl der einzelnen Hersteller repräsentiert zudem nicht die Verteilung und Bedeutung der Marken auf dem deutschen Markt. Aber das kann natürlich positiv gesehen werden. So erlangen auch Hersteller, die eher unbekannt sind etwas mehr Bekanntheit.

Die Empfehlungen für die einzelnen Zielgruppen sind dieses Mal wieder an einigen Stellen haarsträubend. Die Punkteverteilung bei den Kategorien Fußtyp und Körpergewicht ist und bleibt auch dieses Mal einer der großen Schwachpunkte des Tests. "Jeder Schuh ist für fast jeden irgendwie geeignet" so könnte die teilweise unlogische Einordnung der Schuhe an dieser Stelle zusammenfasst werden (auch wenn der Empfehlungstext die Punkteverteilung zumindest teilweise relativiert). Pauschalempfehlungen von Schuhen für Läufer aller Gewichtsklassen und Abrollverhalten kann es nicht geben - aber genau das wird an einigen Stellen gemacht. Beispielsweise wird der Mizuno Wave Rider VIII für Läufer aller Gewichtsklassen als sehr gut geeignet empfohlen. Auch der Bewegungskontrollschuh Puma Complete Phylas wird für leichtgewichtige Läufer noch als gut eingestuft. Des weiteren ist es fraglich, ob ein Wettkampfschuh wie der Adidas Supernova Competition für schwere Läufer hinsichtlich des Körpergewichtes als gut geeignet einzustufen ist. Auch bei den Empfehlungen für unterschiedliches Abrollverhalten geht einiges durcheinander. Zum Beispiel ist der Neutrallaufschuh Adistar Cushion zur Innenseite hin so stabil, dass er Supinierern nicht empfohlen werden sollte. Trotzdem erhält er im RW Test  ein gut geeignet für Supinierer. Auch wenn RW den Asics Gel Kayano XI für Normalfußläufern empfiehlt, ist der Grenzgänger zu den Bewegungskontrollschuhen für diese Zielgruppe sicher nicht sehr gut geeignet einzustufen. Ein Asics GT 2100 ist gerade für Überpronierer ein sehr geeigneter Schuh und nicht wie im Test geschrieben für Normalfußläufer. Der New Balance 1050 wird trotz der stabilen Pronationsstütze für Überpronierer und Normalfußläufer als sehr geeignet angesehen. Wenigstens werden Stabilschuhe mit deutlicher Pronationsstütze nicht mehr für Supinierer empfohlen. Das ist auf jeden Fall ein Fortschritt zu den bisherigen Tests.

Die Klasseneinteilung der Laufschuhe in Dämpfungs-, Stabil-, Bewegungskontroll- sowie Trailschuhe und Lightweighttrainer ist dieses Mal wieder auf ähnlich durchschnittlichem Niveau wie im vergangenen Herbst. Über einige Modelleinordnungen lässt sich sicherlich streiten. Unstrittig ist aber, dass zum Beispiel ein Schuh wie der Nike Air Perseus kein Dämpfungsschuh sondern ein Stabilschuh ist. Abgesehen davon ist das Modell Nike Air Max Moto III ein Neutrallaufschuh und kein Stabilschuh. Auch die Einstufung des New Balance als Bewegungskontrollschuh verursacht beim Leser Verwunderung. Handelt es sich hierbei doch um einen Stabilschuh. Aus diesem Grund ist die Tatsache wenig überraschend, dass auch die Punkteverteilungen bei der Rubrik Kategorie (Wettkampf, Dämpfung, Stabilität und Trail) des öfteren nicht ganz stimmig sind.

Die Produktbeschreibungen enthalten wieder einige Fehler. Das trübt das Bild und wirkt schlecht recherchiert. Mal ein falscher Preis wie beim Modell New Balance, dass 115,- und nicht 90,- € kostet, mal angebliche Veränderungen am Modell, die nicht stattgefunden haben (der Brooks Glycerin 3 ist beispielsweise nicht neu, sondern wurde lediglich farblich umgestaltet), mal ein nicht ganz richtiger Name (Premiere statt Premier im Namen der Schuhe bei Reebok) usw.  Ansonsten werden v. a. technische Dinge beschrieben, die der Leser auch bei den Herstellern im Produktkatalog findet. Passformhinweise kommen insgesamt zu kurz. Kritische Anmerkungen fehlen fast ganz.

Fazit: Sicherlich ist der Runners World Laufschuhtest einer der besseren Tests am Markt. Aber bei den Möglichkeiten und Ansprüchen die Runners World hat ("Der größte und beste Laufschuhtest der Welt") ist der Test einfach wenig aussagekräftig. Durch die wenig trennscharfen Zielgruppenempfehlungen ist der Test als Einkaufshilfe auch dieses Mal nur bedingt geeignet.

 

Kurzbewertung Runner's World Laufschuhtest

Allgemein
Layout OOOOO
Übersichtlichkeit OOOOO
Einleitungstext OOOO
Text "Wieviel Stabilität braucht ein Laufschuh?" OOOO
Laufschuhtest
Herstellerverteilung OOOO
Modellverteilung OOOOO
Klasseneinteilung der Laufschuhe OOO
Zielgruppen-Empfehlung OO
Produktbeschreibung OOO
Modellkritik OOO
Der Test ist als Einkaufshilfe ... ... eingeschränkt geeignet.


Legende

O = mangelhaft, OO = ausreichend, OOO = befriedigend, OOOO = gut, OOOOO = sehr gut
 


Die April-Ausgabe von RUNNER'S WORLD  (c) Runners World

In der aktuellen Ausgabe
(04/2005) stellt Runner's World
41 Laufschuhe vor.

 


Laufschuhstraße  (c) Runner's World

Auf der Internetseite von
Runner's World finden Sie
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Den deutschsprachigen
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www.runnersworld.t-online.de


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