14.09.2003 - 29 Modelle im Runner´s World Laufschuhtest

Kommentar


In der aktuellen Ausgabe (10/2003) stellt Runner's World im alljährlichen Herbstlaufschuhtest 29 Laufschuhe vor. Alle Laufschuhe werden übersichtlich mit Foto, kurzem Text zum jeweiligen Modell, einem Kurz-Urteil, einer Klasseneinteilung und den technischen Daten vorgestellt. Darüber hinaus werden 10 Punkte zum Thema Laufschuhe aufgeführt und 13 Fachbegriffe im Laufschuhlexikon erklärt. Im Abschnitt "Der passende Laufschuh" ist eine Empfehlung "Welcher Schuh bei welchem Fußtyp" zu finden.

"Der größte Laufschuhtest der Welt". So steht es im Test-Info geschrieben. Bei keinem anderen Laufschuhtest sind so viele (nämlich rund 200 Testläufer) mit den Laufschuhen unterwegs. Perfekte Voraussetzungen für einen guten Test. Doch wie sieht das Ergebnis aus? Ist der Test auch die beste Einkaufshilfe für den Läufer und Schuhkäufer? Oder ist der Test eher eine Übersicht bzw. reine Produktvorstellung? Auch dieses Mal wird der Test auf Laufschuhkauf.de kritisch beleuchtet: Wie hilfreich ist der Test? Was ist gut? Was ist weniger gut?

Auf 3 Seiten werden 10 Punkte zum Thema Laufschuhe aufgeführt. Themen sind: Warum spezielle Laufschuhe?, Warum gibt es so viele unterschiedliche Laufschuhe?, Welche Rolle spielt das Körpergewicht bei der Auswahl des Schuhes?, Wie lassen sich Laufschuhe unterscheiden?, Welche Rolle spielen Dämpfungs- und Stabilitätselemente in der Mittelsohle?, Wie viele Laufschuhe sollte ein Läufer besitzen?, Wie lange hält ein Laufschuh?, Was ist bei Obermaterial und Schnürung zu beachten?, Wie teuer sollten Laufschuhe sein? und Was ist bei der Passform eines Laufschuhs zu beachten? Die Punkte sind informativ und gut geschrieben, gehen allerdings wenig in die Tiefe.

Im Laufschuhlexikon werden die wichtigsten Fachbegriffe aus der Welt der Laufschuhe erläutert. So werden z.B. die Klassiker Überpronation und Supination erklärt. Hier könnte Runner's World ruhig ausführlicher werden und mehr Begriffe erläutern. Hingegen bedürfen Begriffe wie Rück- und Vorfuß nicht unbedingt der Erläuterung.

Die unterschiedlichen Fußformen bzw. -fehlstellungen werden im Abschnitt "Der passende Laufschuh" erläutert. Dieser Abschnitt ist jedes Jahr der gleiche und wird dadurch auch nicht besser. V. a. in diesem äußerst wichtigen Punkt für den Rat suchenden Leser sind zahlreiche Schwachpunkt zu finden. Die Einteilungen in die Laufschuhklassen werden alleine aufgrund des Fußtyps vorgenommen. Sicherlich ist der Fußtyp ein wesentliches Einteilungskriterium nur eben nicht das alles allein entscheidende. Der Test zur Bestimmung des Fußtyps "den nassen Fuß auf einen wassersaugenden Untergrund stellen", macht wenig Sinn. Dabei erfolgt, wenn überhaupt, eine Bestimmung der statischen Verhältnisse. Viel wichtiger sind aber die dynamischen Verhältnisse, d.h. das Verhalten von Fuß und Beinachse unter Bewegung. So muss ein Senkfuß nicht unbedingt mit einer Überpronation einhergehen. Die Schuhempfehlung für Normalfußläufer bleibt wie jedes Jahr widersprüchlich. Der Normalfuß wird als Fuß mit normalem Fußgewölbe und natürlicher Pronation beschrieben. Dies entspricht dem Verständnis des Neutralfußes auf Laufschuhkauf.de. Fraglich ist die Empfehlung, bei solch einem Fuß einen Stabilschuh, d.h. einen Schuh mit einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Pronationsstütze zu tragen. Ein neutraler Fuß (= Normalfuß) mit natürlicher Pronation benötigt keinen Schuh mit einer Pronationsstütze. Es sei denn der im Rückfuß viel zu hoch gebaute Laufschuh sorgt für den (un)nötigen Kipphebel unter dem Fuß. Mit einem Stabilschuh wird der natürliche Dämpfungsmechanismus des Körpers wegkorrigiert und der Fuß in eine unnatürliche Abrollbewegung gedrückt. Hier müsste die Empfehlung lauten: "Wählen Sie Schuhe der Kategorie Dämpfung." Das ein Senkfuß nicht unbedingt und zwangsläufig eine Überpronation nach sich zieht ist sicher kein Geheimnis. Trotzdem geht der Text davon aus und empfiehlt Laufschuhe, die Fehlstellungen korrigieren. Diese Laufschuhe sind dann allerdings Bewegungskontrollschuhe. Leichtgewichtige Überpronierer sind mit Stabilschuhen sicherlich gut bedient. Selbst die meisten mittel- und schwergewichtigen Läufer mit einer Überpronation kommen meist mit Stabilschuhen gut zurecht und benötigen keine Bewegungskontrollschuhe wie unter dem Text "Senkfuß" empfohlen wird. Die Praxis zeigt auch, dass die Zahl von 75 % Überpronierer etwas hoch gegriffen ist. Die Tatsache das man auch über den Vorfuß laufen kann (und auch etwas andere Schuhe tragen sollte), bleibt an dieser Stelle ohne jede Erwähnung.

Im Laufschuhtest wurde die Modellverteilung erheblich verbessert. Neben 11 Stabilschuhen werden 6 Neutrallaufschuhe, 8 Lightweighttrainer/Wettkampfschuhe und 4 Bewegungskontrollschuhe vorgestellt. Die Zahl der pronationsgestützten Modelle wurde zugunsten der Lightweighttrainer/Wettkampfschuhe reduziert. Die Klasse Lightweighttrainer/Wettkampfschuhe ist allerdings fast schon überrepräsentiert, wenn man bedenkt, wer mit diesen Schuhen laufen kann. Einige Schuhe sind zudem nur schwer auf dem deutschen Markt erhältlich. 9 Geländelaufschuhe werden in der Novemberausgabe vorgestellt.

Sehr gut ist die Herstellerverteilung der getesteten Modelle. So sind neben 4 Modellen von Adidas (Calibrate, Climacool Response Cushion, Competition, Response Control), 4 von Asics (Gel Cumulus V, Gel Foundation Plus, Gel Nimbus, Verdict DS II), 3 von Brooks (Adrenalin GTS, Racer ST, Trance NXS), 1 von Etonic (Streetfighter ICO), 1 von Fila (Flow K3), 3 von Mizuno (Wave Legend II, Wave Maverick 2, Wave Precision), 2 von New Balance (752, 765), 4 von Nike (Air Kantara II, Air Storm Current, Air Structure Triax 7, Air Zoom Elite), 2 von Puma (Complete Meditation, Complete Finisher Racing), 2 von Reebok (Premier FSM, Premier Road Light) und 3 von Saucony (Grid Shadow 8, Grid 3D Triumph, Grid Vision) zu finden. Die Modelle Brooks Adrenaline GTS 4 und Etonic Streetfighter waren aber schon im Frühjahrestest zu finden und wurden nicht überarbeitet.

Die Empfehlungen sind wie auch schon im Frühjahreslaufschuhtest besser und trennscharfer als in der Vergangenheit. Die Punkteverteilung bei den Kategorien Fußtyp und Körpergewicht schränken die Aussagekraft allerdings wieder ein. "Jeder Schuh ist für fast jeden geeignet" so könnte man die teilweise unlogische Einordnung der Schuhe an dieser Stelle zusammenfassen (auch wenn der Empfehlungstext die Punkteverteilung zumindest teilweise relativiert). Wettkampfschuhe sind für den schweren, überpronierenden Läufer nicht (als ausreichend) zu empfehlen. Genauso wenig macht eine Pauschalempfehlung eines Schuhes für Läufer aller Gewichtsklassen Sinn. Darüber hinaus sind Schuhe mit superstabiler Pronationsstütze Supinierern nur zu empfehlen, wenn man ihnen schaden will ;-) Die Klasseneinteilung der Laufschuhe ist in sich stimmig.

Zu Beginn des Tests wird zwar geschrieben, dass nur Laufschuhe in den Test aufgenommen wurden, die mit mindestens befriedigend getestet wurden, allerdings wären doch gerade auch die anderen (schlechten) Modelle interessant. Die Frage dabei bleibt allerdings, welche Schuhe das sein sollen :-/ Kritische Töne und Passformprobleme müssten bei der riesigen Anzahl an Testläufern doch fallen. Aber die Runner's World Testläufer scheinen genügsam zu sein. Im Test sind kaum Hinweise auf Schwachpunkte der Schuhe zu finden. Nach Informationen aus dem Fachhandel gibt es jedes Jahr Schuhe, die in der neuen Version "verschlimmbessert" wurden. Genau diese Punkte müssten doch auch den vielen Testläufern auffallen.

Kleine Fehler wie z.B. die Angabe, dass es den Puma Complete Meditation, den Puma Complete Finisher Racing und den Brooks Racer ST auch als Damenlaufschuh gibt (alles Unisex-Modelle bzw. Herrenmodelle, die es auch in kleinen Größen gibt) sind zwar nicht tragisch, trüben aber etwas das Bild.

Fazit: Der Test wird immer besser und ist diesen Herbst u. U. sogar der beste Test der Lauffachzeitschriften ("Schau mer mal was Running so macht ..."). Als Einkaufshilfe ist er aber u. a. aufgrund der nicht trennscharfen Empfehlungen (Punkteverteilung) auch dieses Mal nur eingeschränkt geeignet. Der Abschnitt "Der passende Laufschuh" hilft dem Käufer bei der Eingrenzung der für ihn geeigneten Modelle nicht wirklich weiter, da nur ein Faktor (Fußtyp) von vielen berücksichtigt wird. Außer Frage steht allerdings, dass der Test einen guten Überblick der am Markt erhältlichen Schuhe gibt. Wenn man ergänzend den Frühjahreslaufschuhtest dazu nimmt, hat man (fast) alle wichtigen Modelle im Test. Etwas mehr Mut zur Kritik und Hinweise zu Passformschwächen würden den Test weiter aufwerten.

Hinweis: Die 10 Punke zum Thema Laufschuhe sowie 9 Testberichte der 29 getesteten Laufschuhe aus dem Runner's World Laufschuhtest findet Ihr inzwischen auf der RW Homepage.
 

Kurzbewertung Runner's World Laufschuhtest

Allgemein
Layout OOO
Übersichtlichkeit OOOO
Einleitungstext OOOO
Laufschuhlexikon OOO
Laufschuhtest
Herstellerverteilung OOOOO
Modellverteilung OOOO
Klasseneinteilung der Laufschuhe OOOOO
Zielgruppen-Empfehlung OOO
Produktbeschreibung OOOO
Modellkritik OOO
Der Test ist als Einkaufshilfe ... eingeschränkt geeignet

Legende
O = mangelhaft, OO = ausreichend, OOO = befriedigend, OOOO = gut, OOOOO = sehr gut


Zu den Inhalten der Oktober-Ausgabe von Runner's World   (c) Runner's World

In der aktuellen Ausgabe
(10/2003) stellt Runner's World
29 Laufschuhe vor.


9 Geländelaufschuhe folgen
in der November-Ausgabe.



Den deutschsprachigen
Internetauftritt von Runner's
World finden Sie unter:

www.runnersworld.t-online.de


zur Seite von Runner's World Deutschland



Die amerikanische Seite
(englischsprachig)
finden Sie unter:

www.runnersworld.com


zur Seite von Runner's World Amerika

Unter der Rubrik Shoes
finden Sie Informationen
zum Thema Laufschuhkauf
und Teile des Laufschuhtests.


 


Seitenanfang
>> zum Archiv >>

>> zur Startseite >>