Axel Becker Laufbar Augsburg – 1. Experteninterview

Wie angekündigt werde ich in der Rubrik Interview „Experten“ auf dem Gebiet Laufschuhe und Laufschuhkauf zu diesem Thema interviewen. Den Anfang macht im ersten Experteninterview Axel Becker, selbst leidenschaftlicher Läufer und Inhaber des Laufsportfachgeschäftes lauf-bar in Augsburg.


Steckbrief: Axel BeckerAxel Becker Inhaber der lauf_bar Augsburg  (c) Axel Becker

Vorname, Name: Axel Becker

Geburtsdatum: 21.06.1958

Erlernter Beruf: Dipl.-Päd.

Position bei Lauf-Bar: Inhaber lauf_bar Augsburg

Hobbys: Laufen, Kino, klassische Musik, Bergtouren

Bestzeiten beim Laufen:
10 km in 39:53 min.,
HM in 1:27:19 std.,
Marathon in 3:12:43 std.


Interview

Laufschuhberatung und Lauf-/Bewegungsanalyse

Wieselweb: Was zeichnet deiner Meinung nach eine gute Laufschuhkauf-Beratung, was einen guten Laufschuhberater aus?

Axel Becker:

a – das Eingehen auf den Kunden und die umfassende Erfassung seiner Gegebenheiten und Bedürfnisse

b – orthopädische Kenntnisse

c – Produktkenntnisse, um den optimalen Schuh zu finden.

Wieselweb: Für wie wichtig erachtest du eine Laufbandanalyse beim Laufschuhkauf? Was ist dabei zu beachten?

Axel Becker: Die Laufbandanalyse ist ein sehr gutes Mittel, das Laufverhalten des Kunden zu beurteilen. Die software-gestützte Aufzeichnung mit Einzelbildanalysen lässt es zu, mit dem Kunden zusammen die Themen Pronation, Beinachse, Abrollverhalten etc. zu beurteilen und zu besprechen. Die Laufbandanalyse allein beantwortet die Frage nach dem richtigen Laufschuh natürlich noch nicht. Aber sie liefert eminent wichtige Hinweise auf die richtige Empfehlung und Entscheidung.

Kriterien für gute Laufschuhe

Wieselweb: Welche Kriterien muss ein passender Laufschuh erfüllen?

Axel Becker: Folgende Kriterien sind wichtig:

– Er sollte die richtige Stärke in der Pronationsstütze haben. Diese reicht vom Neutralschuh ohne Stütze für Normalfußläufer und Supinierer bis zu langen Pronationsstützen für Überpronierer und Knickfüsse.

– Er sollte den richtigen Dämpfungskomfort bieten je nach Laufstil (bei Vorfußläufern sollte auf eine gute Dämpfung im Vorfuß geachtet werden) und Gewicht.

– Passform/Leisten je nach Fußform und Spannhöhe.

– Er sollte zum Einsatzbereich passen (Trailschuh für unebenes Gelände oder Schnee, Lightweight für schnelle Trainingseinheiten etc.).

Besonderheiten bei Laufanfängern

Wieselweb: Was sollten Lauf-Anfänger beim ersten Laufschuhkauf beachten?

Axel Becker: Sie sollten sich vor allem Zeit nehmen! Damit auch der Verkäufer genügend Zeit hat, ist es ratsam, den Laufschuh nicht am Samstag, sondern eher an einem Tag zu kaufen, wenn es etwas ruhiger zugeht. Wenn der Kunde Sporteinlagen trägt, sollte er diese mitbringen. Alles andere sollte sich in einem guten Fachgeschäft im Gespräch mit dem Verkäufer klären lassen.


Haltbarbeit von Laufschuhen

Wieselweb: Wie lange halten Laufschuhe? Wovon hängt die Haltbarkeit ab?

Axel Becker: Die Haltbarkeit unterscheidet sich kaum von Marke zu Marke und Typ zu Typ. Die Dämpfungssysteme (GEL, Hydroflow etc.) werden auch kaum schwächer im Leben eines Laufschuhs. Was aber nachlässt, ist die Dämpfung im Schaummaterial der Zwischensohle (EVA oder PU). Ca. 80% der Dämpfung kommt von diesem Material, nicht von den Zusatzsystemen! Und dieses Material ermüdet mit der Zeit genauso wie ein Gummi, der zu oft gespannt wird. 1000 km ist ein Richtwert für die Haltbarkeit eines Laufschuhs. Stephane Franke hat bei der Übertragung des letzten New York Marathons sogar von nur 800 km gesprochen.

Wettkampfschuhe

Wieselweb: Für welche Läufer/innen würdest du richtige Wettkampfschuhe empfehlen? Bei wem machen solche Schuhe keinen / weniger Sinn?

Axel Becker: Der Name sagt’s: Wettkampfläufer/innen. Der Wettkampfschuh verzichtet weitgehend auf Dämpfungs- und Stabilisierungselemente und sollte auch im Training nur begrenzt eingesetzt werden. Für Läufer/innen, die nur gelegentlich einen Wettkampf laufen und da zwar ambitioniert herangehen, aber nicht zur Spitze gehören, tut’s meistens auch ein Lightweight-Schuh. Abhängig ist das natürlich auch von der Distanz. Den Marathon in einem reinen Wettkampfschuh zu bestreiten, würde ich nicht unbedingt empfehlen.

Orthopädische Einlagen / Sporteinlagen

Wieselweb: Viele Läufer/innen haben keine neutralen Füße. Wann sind orthopädische Einlagen sinnvoll?

Axel Becker: Grundsätzlich dann, wenn Beschwerden und Befunde zusätzliche Unterstützung oder Korrekturen angezeigt erscheinen lassen. Einlagen können z.B. sehr hilfreich sein bei Achillessehnenbeschwerden, Spreizfüssen etc., aber auch dann, wenn immer wieder Beschwerden im gesamten unteren Bewegungsapparat auftreten, die mit einer richtig angepassten zusätzlichen Dämpfung gelindert werden können.

Stiftung Warentest Laufschuhtest

Wieselweb: Der Laufschuhtest der Stiftung Warentest hat für erhebliche Verwirrung gesorgt. Wie stehst du dem Test gegenüber?

Axel Becker: Der Test der Stiftung Warentest ist zwar von gutem Willen, aber wenig Fachkompetenz getragen. Die Frage „Welcher Schuh für welchen Läufer“ wird weitgehend ausgeblendet. Das ist aber immer die Gretchenfrage beim Laufschuh, und die Tests in Runner’s World oder anderen Publikationen und natürlich auch im wieselweb sind da wesentlich differenzierter. Das Thema ist einfach zu kompliziert, um es so pauschal zu beurteilen, wie es die Stiftung Warentest versucht hat.

Der richtige Laufstil

Wieselweb: Vielerorts wird heftig das Thema um den richtigen Laufstil diskutiert. Wie stehst du der Thematik gegenüber? Gibt es den besseren Laufstil?

Axel Becker: Natürlich gibt es Grundregeln, die man beachten sollte, um einen ökonomischen, flüssigen Laufstil mit einem minimalen Verletzungsrisiko zu erreichen. Dazu gehören Dinge wie Schrittlänge (nicht zu lang!), Armbewegung (parallel zu Körper schwingen und nicht vor dem Körper seitwärts) etc. Aber darum geht die Diskussion nicht, sondern vielmehr um das Thema „Vorfußlaufen“, das Herr Strunz und ein paar andere propagieren.

Liegen keine Beschwerden vor lohnt sich mühsames Umgewöhnen mit Sicherheit nicht. Beide Laufstile – Vorfuß u. Rückfußlauf  – haben Vor- und Nachteile. Der Vorteil des Rückfußlaufens ist der, dass man es auch bei stärkster Ermüdung und langsamsten Tempo leicht einsetzen kann. Der wesentlich Vorteil des Vorfußlaufens für Gesundheits- und Leistungssportler liegt in der besseren Absorption der Stoßbelastungen. Als Trainingsreizvariation sowie zur Verbesserung von Koordination und Lauftechnik ist gelegentliches Laufen im ungewohnten Laufstil mit Sicherheit empfehlenswert. Wer seinen Laufstil komplett umstellen möchte – meist von Fersen- auf Vorfußlauf – muss wissen, dass es eine Weile dauert bis sich der Körper an die neuen Belastungen gewöhnt hat.

Fragen zur Laufbar

Wieselweb: Beschreib bitte kurz das Konzept bzw. die Philosophie der lauf-Bar? Was zeichnet euch aus?

Axel Becker: Das Angebot der Sportschuhhersteller mit einer Unmasse von Fach- und Markenbegriffen (IGS, RollBar, Hydroflow,….) beantwortet für den Kunden die entscheidende Frage nicht: Welchen Schuh brauche ich? Genau hier setzt das Konzept der lauf_bar an: Kundenindividuelle Beratung mit eingehender Analyse seiner Anforderungen und Voraussetzungen. Tiefergehende Detailanalysen des Laufstils und der orthopädischen Besonderheiten runden das Angebot ab und bieten auch dem „Problemfall“ Grundlagen für richtiges Training, richtige Gymnastik und natürlich für die richtige Laufschuhentscheidung.

 lauf_bar Augsburg  (c) Axel Becker         lauf_bar Augsburg  (c) Axel Becker

Wieselweb: Warum habt ihr den Namen lauf-Bar gewählt?

Axel Becker: Der Name lauf_bar steht vor allem für eines: Die lauf_bar ist kein 08/15-Sportgeschäft, sondern ein Platz, wo man sich Zeit nehmen kann für das Thema Laufen. Die Laufschuhentscheidung ist nichts, was man „zwischen Tür und Angel“ erledigt. In der lauf_bar kann man sich bei einem Kaffee oder einem Glas Wasser Zeit für dieses Thema nehmen und kann auch, wenn man doch mal etwas warten muss, in einer Laufzeitschrift stöbern und sich über die neuesten Trends beim Thema Laufen informieren.

Wieselweb: Ihr verwendet in euren Geschäften die Bewegungsanalyse -Software Motion Quest der Firma Currex. Welche Möglichkeiten bietet sie? Was ist der Vorteil dieser Software?

Axel Becker: Hier liegt offensichtlich ein Irrtum vor: Wir verwenden SIMI MoStill. Dies ist der Standard in der Software für Bewegungsanalyse. Wir setzen sie im Zusammenhang mit dem Laufband ein. Mit SIMI können wir die Bewegung aus bis zu 4 Perspektiven aufnehmen und diese Videos abspeichern, um detaillierte Auswertungen durchzuführen. Wir verwenden 3 Kameras, 2 von hinten und eine von der Seite.

In den unterschiedlichen Aufnahmen können dann umfangreiche Messungen durchgeführt werden, z.B. Achillessehnenwinkel, der Kniewinkel, Außenrotationen. Damit lassen sich Abweichungen von der Norm und Fehlstellungen sehr gut nachweisen und in Zusammenhang bringen, so dass wir nicht nur Schuhempfehlungen aussprechen können, sondern auch Tipps für Einlagenversorgung, Gymnastik geben.


Weitere Infos

Axel Becker über die lauf_bar: Die lauf_bar legt ihren Schwerpunkt auf fundierte individuelle Beratung und Betreuung. Wir wollen dem Kunden oder der Kundin nicht nur irgendeinen Laufschuh verkaufen, sondern den für sie oder ihn passenden. Dies bedeutet auch, dass wir uns Zeit nehmen für unsere Kunden und auch Ansprechpartner sind, bei allen Themen rund ums Laufen, von der Einlagenversorgung bis zum individuellen Trainingsplan.

Letztendlich entscheidet über den richtigen Laufschuh weder der letzte Test in der Laufzeitschrift noch die lauteste Werbung, gespickt mir einer Unzahl von Fachausdrücken und Abkürzungen. Das wichtigste Kriterium ist der Fuß des Kunden, für den wir die beste Lösung finden wollen.

Kontakt lauf_bar Augsburg:
Jakoberstr. 42, 86152 Augsburg, Tel.: (08 21) 9 07 63 99, Fax: (08 21) 9 07 68 23, E-Mail: becker@lauf-bar.de


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