Ratgeber Trailschuhe / Geländelaufschuhe

Trailschuhe – Brauch ich die? Eine häufig gestellte Frage in den letzten Wochen. Kein Wunder bei dem herrschenden „Gummistiefel-Schneeschuhwetter“. Allerdings herrscht In Bezug auf Nutzen und Notwenigkeit von Trailschuhen einige Unsicherheit.

Der folgende Ratgeber Trailschuhe / Geländelaufschuhe soll Licht in die Dunkelheit bringen 😉


Was ist eigentlich Trailrunning?

Trail am Gardasee (c) Laufschuhkauf.deTrail kommt aus dem Englischen und bedeutet soviel wie „Pfad“ oder „Weg“. Demnach ist Trailrunning das Laufen auf  unwegsamen Strecken abseits befestigter Wege. Bergauf, bergab, Schlamm, Wasser, rutschiger, unebener Boden und dann noch kleine Pfade, die teilweise durch Äste und ähnliches versperrt werden. So lässt sich Trailrunning in seiner ursprünglichen Dimension beschreiben. Hierfür machen spezielle Schuhe Sinn.

Trailrunning bedeutet für viele Läufer allerdings etwas anderes. Nämlich das Laufen auf befestigten Waldautobahnen allerdings auch bei jedem Wetter. Hierfür ist in den seltensten Fällen ein spezieller Geländelaufschuh nötig. Die Laufschuhindustrie hat sich diesem „Trend“ angepasst und bringt verstärkt Straßenlaufschuhe im Trailgewand heraus (wobei an dieser Stelle sicherlich auch versucht wird eine Notwendigkeit für solche Schuhe in den Köpfen zu erzeugen). Hierbei liegt der Fokus weniger auf Geländegängigkeit sondern vielmehr auf Wetterfestigkeit und Schmutzunempfindlichkeit. „Richtige“ Trailschuhe sind deshalb auf dem Markt schwerer zu finden. Die Zielgruppe hierfür wächst aktuell stark ist aber im Vergleich zu den Straßenlaufschuhen nach wie vor klein. Das was oft als Trailschuh verkauft wird lässt sich in den meisten Fällen am besten als All-Terrain-Schuh bezeichnen.

Was sind eigentlich Trailschuhe?

Trailschuhe ist der gängige Begriff für Geländelaufschuhe, d.h. Schuhe die für das Laufen abseits befestigter Wege (Trails) gemacht sind. Richtige Trail- bzw. Geländelaufschuhe haben eine Außensohle, die für den Straßeneinsatz nur noch bedingt geeignet ist. Hier kommen bspw. Stollenprofile, integrierte Spikes sowie grob und asymmetrisch profilierte Außensohlen zum Einsatz. Je enger, feiner und gleichmäßiger das Profil ist, desto schneller setzt sich die Sohle mit Dreck zu. Die Sohle verliert dadurch erheblich an Griffigkeit und wird gefährlich glatt. Dieses Problem vieler Straßenschuhe wird durch trailtaugliche Außensohlen vermieden.

Salomon Speedcross 3 (c) SalomonWeiteres Kennzeichen von Traillaufschuhen ist der robustere, schmutzunempfindlichere, zumeist wetterfestere Schaft. Die Notwendigkeit von robusteren Schaftmaterialien, zumeist werden zusätzliche Synthetikoverlays (aus Kunstleder, Gummi, Kevlar u. ä.) sowie festeres, dichteres Meshmaterial eingesetzt, ergibt sich aus dem vorgesehenen Einsatzgebiet, in dem Felsen, Steine, Dornen, Äste, Gestrüpp usw. lauern. Bezüglich der Wetterfestigkeit gibt es allerdings erhebliche Abstufungen. Während manche Schuhe genauso wie Straßenlaufschuhe praktisch keinen Nässeschutz bieten, gibt es Schuhe mit wasserdichtem Schaft. Besteht der Schaft aus Materialien wie das bekannte Gore-Tex dann ist der Schuh wirklich wasserdicht. Die Zunge (Lasche) des Schuhs ist dafür geschlossen gestaltet (z.B. eingenäht oder „Strumpfschaft“). Wasser bzw. Schnee kann dann nur noch am Knöchel in den Schuh kommen. Dies liese sich dann durch die Nutzung von Gamaschen verhindern. Alle anderen speziellen Schaftmaterialien der Trailschuhe sind mehr oder weniger stark wasserabweisend.

Fast alle Schuhe verfügen zudem über eine verstärkte Zehenbox (zumeist als vorne hochgezogene Außensohle) um die Zehen des Läufers zu schützen. Dies spielt insbesondere im felsigen Gelände und bei sehr langen Läufen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Zwischensohle ist flacher gebaut, um eine höhere Trittsicherheit und eine bessere Rückmeldung über den Untergrund für den Fuß zu gewährleisten. Der Fuß ist dadurch näher am Boden, was für einen besseren Abdruck sorgt und zudem die Gefahr des Umknickens reduziert. Wie bei den Straßenlaufschuhen gibt es auch Trailschuhe mit und ohne Pronationsstütze. Allerdings sind die Stützen in richtigen Trailschuhen, wenn überhaupt vorhanden, dann i. d. R. weniger stark ausgeprägt, da im richtigen Gelände mehr Flexibilität und Torsionsfreudigkeit als Stabilität eine Rolle spielen. Nur so können sich Vor- und Rückfuß wirklich unabhängig voneinander bewegen und dem Läufer optimale Rückmeldung vom Untergrund geben.

Was ist ein All-Terrain-Laufschuh?

Dieser Begriff wird von Hersteller- und Händlerseite zumeist als Synonym für Trailschuhe verwendet. Eine klare Trennung ist eher selten zu finden. Unter All-Terrain-Laufschuhen werden Laufschuhe verstanden, die für das Laufen auf jedem Untergrund und bei jedem Wetter gemacht sind. Der Schuh ist „überall und immer einsetzbar“ (?). Was man allerdings auch von vielen Straßenlaufschuhen behaupten könnte. Viele als Trailschuhe bezeichnete Laufschuhe sind lediglich dunkelfarbige Varianten erfolgreicher Straßenlaufschuhe  in wetterfesterer Ausführung. Deshalb werden die zuvor aufgeführten Eigenschaften in den meisten Fällen nur ansatzweise erfüllt. Was allerdings aufgrund des häufig gewählten Einsatzbereichs (Stichwort: Waldautobahnen) auch nicht wirklich ein Problem darstellt. Viele so genannte als „Trailschuhe“ verkaufte Laufschuhe sollten demnach besser die Bezeichnung All-Terrain-Laufschuhe tragen. Als Winterlaufschuhe werden die Modelle bezeichnet, die bis auf einen wetterfesten Schaft, den gleichen Aufbau wie das vergleichbare Straßenmodell haben.

Asics Gel Trabuco 14 GTX (c) Asics

Asics Gel Trabuco GTX 14 (c) Asics

Eine typische Beschreibung dieser Laufschuhklasse aus Herstellersicht: „Die Running-Schuhe in dieser Kategorie wurden speziell für das Wintertraining und den Geländelauf entwickelt. Neben der optimalen Dämpfung und der hohen dynamischen Stabilität bieten sie vor allem eine hohe Trittsicherheit, extreme Haltbarkeit und ein außerordentlich wetterfestes Obermaterial. Sie sind die richtige Lösung für alle, die bei jedem Wetter und in jedem Terrain sicher unterwegs sein wollen“. Diese Definition unterstreicht die Aussage, dass es sich bei den meisten Modellen nicht um Geländelaufschuhe, sondern um All-Terrain-Laufschuhe handelt.

Die folgende Grafik zeigt die wesentlichen Unterschiede der Trail-/Geländelaufschuhe – All-Terrain-Laufschuhe und der Straßenlaufschuhe idealtypisch auf. Um die Grafik als PDF zu öffnen einfach auf die Grafik klicken.

Vergleich Straßenlaufschuh - All-Terrain-Laufschuh - Geländelaufschuh (idealtypisch)Hinweis: Zum Herunterladen der Grafik im PDF-Format einfach auf die Grafik klicken.

Sind diese Schuhe für den Straßeneinsatz geeignet?

Grundsätzlich ja. Es kommt aber immer auf das Modell und den „Straßenanteil“ an. Da die meisten Modelle Straßenlaufschuhe im Trailgewand sind (gleiches/ähnliches Modell nur in dunkler Farbe und mit Membran) ist das zumeist kein Problem. Von Seiten der Dämpfung gibt es daher i. d. R. weniger Einwände, da die meisten Schuhe ähnlich/gleich den Straßenschuhen gedämpft sind. Ein Nachteil ist, dass sich das zumeist etwas griffigere Profil schneller abläuft. Richtige Trailschuhe kommen meines Erachtens aufgrund der oft stark profilierten Außensohle nur für kürzere Asphaltpassagen in Frage. Sollte der Asphaltanteil über 30-40% liegen, dann sollte kritisch hinterfragt werden, ob Trailschuhe wirklich nötig sind oder ob nicht ein weiterer Straßenlaufschuh ggf. in der Winterausführung die bessere Lösung ist.

Wer sollte sich Trail- bzw. All-Terrain-Laufschuhe zulegen?

Alle die gerne im Gelände laufen und nach Möglichkeit schon einen Straßenlaufschuh haben. Als einziger Laufschuh macht ein Trailschuh oder All-Terrain-Laufschuh nur Sinn, wenn man vorwiegend auf losem Untergrund unterwegs ist. Wer nur bei schönem Wetter und zudem nur befestigte Wege („Waldautobahnen“) und Asphalt läuft, kommt mit Straßenlaufschuhen i. d. R. besser hin.

Salomon XA Pro 3D 2 GTX (c) SalomonWer trockene Füße bei Regen, Schnee und Matsch sucht, der sollte zu wasserdichten Ausführungen greifen. Der Nässeschutz zahlreicher wasserabweisender Modelle ist doch eher schwach. Allerdings ist der Einsatzbereich der wasserdichten Modelle vorwiegend auf die kältere Jahreszeit beschränkt. Immer einsetzbar sind wasserdichte Schuhe zwar theoretisch schon aber praktisch macht es wenig Sinn bei Trockenheit und 30°C im Schatten einen solchen Schuh zu tragen. Hier hört auch die atmungsaktive Gore-Tex-Membran auf zu „atmen“ und eine Sauna für die Füße ist angesagt. Vom höheren Schuhgewicht mal ganz abgesehen. Wer nur auf der Straße läuft benötigt i. d. R. keinen so ausgeprägten Nässeschutz wie jemand der durch Schlamm, Pfützen, nasses Gras usw. läuft. Hier sollten die eigenen Ansprüche und tatsächlichen Laufstrecken einer kritischen Überprüfung unterzogen werden.

Wer allerdings mehrere Paar Laufschuhe im Schrank hat, für den ist es sicherlich sehr sinnvoll sich auch einen Trail- oder All-Terrain-Laufschuh zuzulegen (außer man läuft wirklich nur auf Asphalt). Dadurch ist der Läufer für jedes Wetter und v. a. für jeden Untergrund gerüstet.

Was kosten diese Schuhe?

Die Preise sind wenn der Schuh keinen wetterfesten Schaft hat mit denen der Straßenlaufschuhe vergleichbar, d.h. die meisten Schuhe liegen zwischen 120,- und 160,- €. Allerdings müssen für die wasserdichten Ausführungen u. a. aufgrund des teureren Schaftmaterials zumeist ein paar Euro mehr (+ 10,- bis 20,- €) auf die Ladentheke gelegt werden.

Welche Hersteller / Marken  gibt es?

Neben den klassischen Herstellern wie Adidas, Asics, Brooks, Mizuno, New Balance, Nike und Saucony gibt es auch zahlreiche „Nischenanbieter“ die ihren Schwerpunkt bei den Trailschuhen haben. Hier wären z. B. Dynafit, Icebug, INOV8, La Sportiva und Salomon zu nennen. In der Linkliste der Laufschuhmarken hier auf Laufschuhkauf.de findest du eine Übersicht über die meisten Laufschuhmarken. Einige Marken sind eher schwer erhältlich. Neben Laufsportfachgeschäften und Sportgeschäften (eventuell werden einige Modelle bei den Walking- oder Trekkingschuhen geführt) kommen auch Outdoorfachgeschäfte als Einkaufsstätten dieser Schuhe in Frage.


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