Srdan Popovic, über Laufanalyse, Trends im Laufschuhmarkt und Laufverletzungen

12. Experteninterview

Im 12. Laufschuhkauf.de Experteninterview spricht Dr. Srdan Popovic, über Lauf- und Bewegungsanalyse, Trends im Laufschuhmarkt und Laufverletzungen.

Viel Spaß!


Raketenwissenschaft Laufschuhauswahl

Laufschuhkauf.de: Wird das Thema Laufschuhe und Laufschuhversorgung deiner Meinung nach überbewertet? Manchmal erweckt die Auswahl eines geeigneten Laufschuhs den Eindruck, dass es sich dabei um Raketenwissenschaft handelt.

Dr. Srdan Popovic: Definitiv ja. Ohne der Bedeutung des Laufschuhs zu nahe treten zu wollen: Laufen besteht aus deutlich mehr Puzzle-Teilen als nur dem Laufschuh. Zudem schürt die vermeintliche raketenwissenschaftliche Komplexität der Laufschuhauswahl zusätzlich den falschen Eindruck, der Laufschuh könne viele Läuferprobleme lösen.

Laufschuhkauf.de: Wie schätzt du die Beratungsqualität im deutschen Laufschuhhandel ein?

Dr. Srdan Popovic: Sie ist definitiv ausbaufähig und hängt vielerorts in uralten Mustern der 90-er Jahre, weil man damals zu wissen meinte, dass eine Kausalität zwischen Fußformen, Laufstilen und Laufschuhen besteht. Es hatte Vorteile: Der Mensch fühlt sich sicher, wenn er ein festes Konstrukt hat, innerhalb dessen er sich orientieren kann. Es machte das Leben auf der Verkaufsfläche einfacher.

Eine Laufanalyse ist wichtig aber …

Laufschuhkauf.de: Für wie wichtig erachtest du eine professionelle Laufanalyse? Ist diese für Anfänger nicht sogar noch wichtiger?

Dr. Srdan Popovic: Sie ist wichtig, wenn das Ergebnis eben nicht nur die Analytik bleibt.

Laufen wie eine Katze  (c) Dr. Srdan PopovicMenschen kommunizieren zwar, dass sie eine Laufanalyse durchführen lassen wollen. Was sie eigentlich meinen ist jedoch: Ich möchte durch die Analyse die Lösung für mein Problem bekommen. Niemandem ist geholfen, wenn man mittels cooler Videotechnik oder Druckmessplatten ganz genau zeigen kann, warum das Knie beim Laufen weh tut.

Warum? Weil es in unserem Gesundheitssystem sehr selten jemand gibt, der an dieser Stelle anknüpft und die Ergebnisse der Bewegungsdiagnostik verwerten kann im Sinne einer darauf aufbauenden Therapie. Die Orthopädie verweist oft an die Physiotherapie und die Physiotherapie macht noch zu oft unspezifische Übungen und manuelle Therapie. Daraus entstehen höchstens Abhängigkeitsverhältnisse, aber selten eine Hilfe zur Selbsthilfe für die Läufer. Denn wenn die Läufer wieder mit dem „falschen Laufmuster“ laufen gehen, kommt das Problem schnell wieder.

Deswegen muss man Lösungswege anbieten (und damit meine ich primär aktive Lösungswege), um das Analysierte zu beheben. An aller erster Stelle sind dies Änderungen der Lauftechnik-Knotenpunkte. Nur trauen sich hier wenige ran, da immer noch die Meinung vorherrscht, dass Laufstiländerungen sehr viele Jahre benötigen und man es deswegen gar nicht erst versuchen soll. Das ist eine unglaubliche Eigenart der Laufbranche und grundlegend falsch.

Man stelle sich vor jemand zeigt eine schlechte Technik bei einer Vorhand beim Tennis. Würden Sie es ändern oder es dabei belassen, weil es ein seit Jahrzehnten eingeschliffenes Muster ist? Natürlich würden sie es ändern. Warum meinen wir, dass das beim Laufen so grundlegend anders ist? Bei einer Laufanalyse ist genau das oft der fehlende Punkt, der an die Analytik anschließen sollte. Man muss nicht alle Knotenpunkte aufbrechen und motorisches Chaos verursachen, aber die wichtigsten, die der Analyse nach zu dem Beschwerden führen können, darf man schon angehen. Es klappt. Die Läufer*innen beweisen es jeden Tag im Bewegungslabor.

Natürlich braucht es danach einige Monate, bis diese Änderungen ins „Muskelgedächtnis“ übergehen und das koordinative Muster „rund“ wird. Laufstile sind nicht in Stein gemeißelt, sondern plastisch. Und genau das macht eine professionelle Laufanalyse aus und dann ist sie vor allem für Anfänger aber auch für jeden der verletzungsfrei werden oder bleiben oder seine Laufleistung optimieren möchte, eine sinnvolle Investition.

Gute und schlechte Lauf- und Bewegungsanalyse

Laufschuhkauf.de: Worauf kommt es bei einer Lauf- und Bewegungsanalyse vor allem an? Woran erkennt ein Laie eine gute Beratung?

Laufanalyse auf der Laufschuhteststrecke  (c) Laufschuhkauf.deDr. Srdan Popovic: Letzten Endes kommt es darauf an, dass man dem Kunden das hoffentlich erkannte Problem so leicht veranschaulicht und erklärt, dass es auch ein Kind verstehen könnte. Das wäre der edukative Teil.

Daran anschließend müsste die Aufklärung über die möglichen Problemlösungen kommen (Technik-Adaptation, Übungen, Laufschuhe etc.). Und nicht zu guter Letzt: eine richtig gute Bewegungsanalyse erkennt man daran, dass sie das Problem auch wirklich zeitnah löst bzw. zumindest eine Schmerzlinderung herbeiführt.

Was mich zum zweiten Teil der Frage führt: Woran erkenne ich eine nicht so gute Bewegungsanalyse? Es wird nur ein Teil des Körpers begutachtet (z.B. der Fuß von hinten). Das ist stets ein schlechtes Zeichen. Laufen findet von Kopf bis Fuß statt und man sollte mind. 30-45 min dafür aufbringen. Alles andere ist leider ungenügend.

Damit meine ich nicht, dass es ein unendlich teures Equipment braucht. Wenn man das Wissen mitbringt, reichen das bloße Auge aus, aber zur Veranschaulichung besser zwei Kameras.

Ein anderes Kriterium einer schlechten Laufanalyse: Die Problemlösung besteht ausschließlich aus Laufschuhen. Das ist oft zum Scheitern verurteilt.

Das schlechteste Zeichen: Man geht mit einer Mappe mit vielen bunten Parametern nach Hause und muss nun googlen was das Ganze bedeutet.

Laufschuhtrends 2021 ff

Laufschuhkauf.de: Welche Trends siehst du aktuell im Laufschuhmarkt?

Dr. Srdan Popovic: Definitiv die Karbon-Ära. Zum ersten Mal kann der Laufschuh mit der „neuen Bauweise“ die Laufleistung und die Laufökonomie nachweislich verbessern. Das gab es in der neueren Laufschuhgeschichte noch nie.

Zudem ist schnelles Laufen dadurch nicht mehr zwangsläufig unangenehm hart und direkt, sondern kann tatsächlich sehr lange überraschend komfortabel sein. Einen Schritt zurück werden wir zukünftig nur schwer akzeptieren. Wie ein guter Freund sagte: „Wenn du einmal ein Smartphone besitzt, willst du nicht mehr zurück zum Handy.“ Ähnlich wird es mit dem Laufschuh. Die Benchmark steht und die Latte hängt hoch. 

Vom Natural Running über den Maximalschuh bis zum Karbonplattenschuh

Laufschuhkauf.de: Natural Running wurde vom Maximalschuhtrend, d.h. von Schuhen mit extrem hohen Zwischensohlen, abgelöst. Wie schätzt du diese Entwicklung unter biomechanischen Gesichtspunkten ein?

Natural Runner von Nike - Nike Free (c) Laufschuhkauf.deDr. Srdan Popovic: Natural Running ist mit dem damals gefahrenen Konzept zum Scheitern verurteilt gewesen.

Ein minimalistischer Schuh macht noch lange per se keinen besseren Läufer. Das war jedoch die Erwartungshaltung. Es passierte das, was passieren musste: Die Verletzungsverteilung wanderte „eine Etage tiefer“ zum Sprunggelenk und zum Fuß, während das Knie und die Hüfte entlastet wurden. Damit ist natürlich keinem geholfen.

Die Wenigen, die intuitiv verstanden haben, dass sie durch das Tragen des minimalistischen Laufschuhs ihren Laufstil adaptieren und sich progressiv steigern müssen, haben Vorteile mitgenommen. Der große Rest nicht und ließ es zu einer Nische werden.

Man hätte damals zu jedem Paar Natural Running Laufschuhe ein mehrwöchiges begleitendes Lauftraining anbieten müssen. Aber in unserem Zeitalter ist das wenig wünschenswert. Natural Running und unser hektisches, oft zeitlimitiertes Leben passen nicht zusammen. Wir wollen meistens schnelle und vor allem passive Lösungen. Natural Running war ein Drang nach mehr Natürlichkeit und prallte dann gegen die Wand der Wirklichkeit.

Wie so oft in der Menschheitsgeschichte schlägt das Trend-Pendel danach in die andere Richtung aus und wir bekamen den Maximalschuhtrend. Dieser pendelte über die Jahre nun in die Mitte aus und fand jetzt durch die Karbon-Ära seinen derzeitigen Höhepunkt.

Leistungsexplosion dank Karbon

Laufschuhkauf.de: Das Thema Karbonplatten in Laufschuhen ist gerade in aller Munde. Wie beurteilst du das Thema? Chance zur Leistungsverbesserung oder Risiko für viele Verletzungen?

Dr. Srdan Popovic: Die Chance zur Leistungsverbesserung überwiegt.

Die weltweiten Laufzeiten im Langstreckenlauf zeigen es eindeutig. Es gibt eine wahre Leistungsexplosion seit der Einführung der ersten „spoon-shaped“ Karbon-Schuhe. Die Konstruktion der Laufschuhe führt nachweislich zu einer Entlastung der Wadenmuskulatur und die Praxiserfahrungen vieler Läufer*innen unterstützen dieses Ergebnis.

Natürlich wird es auch einige geben, die durch die ungewohnte Bauweise eine Überlastung provozieren könnten, aber diese dürften in der Minderheit bleiben.

Karbonplattenschuhe für alle (?)

Laufschuhkauf.de: Für wen würdest du Karbonplattenlaufschuhe empfehlen, für wen nicht und warum?

Karbonplattenracer von Brooks (c) Laufschuhkauf.deDr. Srdan Popovic: Es gibt sehr häufig Aussagen, dass die Schuhe reine Experten-Schuhe für schnelle Tempi sind. Dies ist grundsätzlich falsch.

Untersuchungen zeigen, dass Läufer*innen bei Tempi langsamer als 05:30min/km pro 1% besserer Laufökonomie eine um 1.17% schnellere Zeit laufen. Für deutlich schnellere Laufgeschwindigkeiten, die wir in den Spitzenfeldern finden, bekommt man pro 1% besserer Laufökonomie dagegen eine „nur“ um 0.65% bessere Zeit (Kipp et al., 2018).

Warum? Weil andere Faktoren wie z.B. der Luftwiderstand, gegen den man bei höherem Tempo anläuft, eine große Rolle spielen. Wenn Spitzenathleten ihre Zeiten um wenige Prozentpunkte verbessern, sind das Welten. Zu behaupten, die Karbonlaufschuhe sind nur etwas für sehr schnelle Läufer*innen ist zumindest aus biomechanischer Sicht falsch. 

Ich sehe also keinerlei Gründe weswegen jemand, der beim 10km Lauf stets knapp an der 50min-Marke scheitert nicht einen Karbonschuh anziehen sollte und sich die eine Minute Vorteil holt (so viel Zeitvorteil kommt bei defensiver Rechnung bei einer 1.75m großen Person mit 65kg Körpergewicht über 10km heraus, die sonst einen 5min-Schnitt läuft). Ja, es ist eine Hilfe, aber es ist erlaubt.

Für wen würde ich die Schuhe nicht empfehlen: Für Läufer*innen, die sich beim Aufsatz über die Ferse bei den im Rückfußbereich meist schmal geschnittenen Schuhen instabil fühlen. 

Karbon und Verletzungen

Laufschuhkauf.de: Oft wird im Zusammenhang mit Karbonplattenschuhen über ein höheres Risiko für Achillessehnenprobleme sowie Verletzungen an der Wade und am Fuß gesprochen. Wie bewertest du den Einfluss der Bauweise auf diese Verletzungsproblematiken?

Karbonplattenwettkampfschuhe 2021  (c) Laufschuhkauf.deDr. Srdan Popovic: Das Gegenteil ist der Fall. Die Gelenkbelastung beim Laufen lässt sich mit biomechanischen Methoden bestimmen und mehrere voneinander unabhängige Studien zeigen, dass die sogenannten internen Gelenkmomente und die Arbeit („joint power“), die im oberen Sprunggelenk und somit primär durch die Wadenmuskulatur aufgenommen wird, beim Tragen dieser Laufschuhe abnimmt (Hoogkamer et al., 2019; Hunter et al., 2019).

Die Karbonplatte verhindert eben durch ihre Steifheit, dass sich das Sprunggelenk und Teile des Vorfußes während der Stützphase stark beugen und somit stark dehnen / durchbiegen. Deswegen behaupten auch so viele Läufer*innen, dass sie nun entspanntere Waden nach dem Laufen hätten bzw. später ermüden. 

Diejenigen, die meinen, dass sie ihren Fußaufsatz „auf Vorfuß“ umstellen müssen, um die Benefits der Karbonlaufschuhe vollends zu genießen, werden dagegen wahrscheinlich Probleme in der Wade und Achillessehne bekommen. Diese würden sie jedoch bei jedem anderen Laufschuh auch bekommen, da die zu schnelle Umstellung das Hauptproblem darstellt.

Laufschuhkauf.de: Wie siehst du den Aspekt des deutlich erhöhten Spitzenhubs insbesondere bei den Wettkampfschuhen der neusten Generation aber auch bei den Maximalschuhen? In der Vergangenheit (insbesondere während dem Natural Running Trend) wurde in diesem Zusammenhang immer über eine Verschiebung von Belastungen auf Strukturen weiter oben, wie Knie und Hüfte, diskutiert. Aktuell redet kaum jemand davon.

Dr. Srdan Popovic: Der deutlich höherer Spitzenhub ist Folge des im Vorfuß eingebauten Winkels bzw. Knicks der Platte um ca. 30°. Dieser ist für die Funktion absolut notwendig und einer der Hauptfaktoren des „Wippeneffekts“. Es gibt derzeit keine Untersuchungen, die zeigen, dass weiter oben liegende Gelenke oder Strukturen dadurch eine höhere Beanspruchung erfahren.

Ist der Laufstil zweitrangig?

Laufschuhkauf.de: Karbon statt Kondition – Wird der Laufstil und das Training plötzlich weniger wichtig?

Dr. Srdan Popovic: Nein, definitiv nicht. Die Lauftechnik, die Ausdauer, das Athletiktraining, die Ernährung, die Psyche, ein auf den Lebensstil und das Ziel ausgerichteter Trainingsplan … all das bleibt wichtig. Die Ergebnisexplosion der letzten Jahre im Breiten- und Spitzensport zeigen jedoch, dass es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Laufschuh ist, der nun die Bestzeiten purzeln lässt. Ähnliche Fälle gab es bereits in anderen Sportarten. Siehe Schwimmen und die inzwischen verbotenen Schwimmanzüge.

Laufschuhkauf.de: Nutzt du selbst Laufschuhe mit Karbonplatten?

Dr. Srdan Popovic: Ja, um besser zu verstehen und zu fühlen wie gewisse Laufschuhmodelle funktionieren und wo sie ihre Stärken und Schwächen haben. Ich versuche stets aktuell informiert zu sein. Meine Arbeit erfordert es zudem. Ich kann schlecht Empfehlungen aussprechen, ohne zu wissen, wo der Markt steht.

Laufschuhkauf.de: Wenn du dir von den Laufschuhherstellern etwas für die Zukunft wünschen dürftest, was wäre das?

Dr. Dr. Srdan Popovic: Zwei Dinge: Mehr Laufleistung bei den Laufschuhen und bitte eine einheitliche und sinnvolle Nomenklatur der Laufschuhe.

Das Wort „Stabilschuh“ gehört verbannt aus der Nomenklatur. Es suggeriert, dass ein Stabil-Laufschuh meine fehlende Stabilität (z.B. des Fußes oder der Beinachse) egalisieren würde. Das wäre natürlich eine simple, passive und käufliche Lösung. So funktioniert die Biologie jedoch leider nicht.  

Laufen und Verletzungen

Knochenhautentzuendung (c) Laufschuhkauf.deLaufschuhkauf.de: Was sind die häufigsten Verletzungen mit denen Läufer zu dir kommen?

Dr. Srdan Popovic: Kniegelenksverletzungen an erster Stelle (vorderer Knieschmerz, tractus iliotibialis Syndrom) gefolgt von Unterschenkel und Fuß (medialer Schienbeinkantenschmerz, Plantarfasziitis und Achillessehnenprobleme).

Laufschuhkauf.de: Was sind die typischen Verletzungsursachen oder -auslöser?

Dr. Srdan Popovic: Ganz klar eine fehlende Lauftechnik gepaart mit schlechtem körperlichem Zustand und dem Willen viel zu laufen und die Trainingsumfänge schnell zu steigern. Das ist eine beinahe 100% Garantie sich früher oder später zu verletzen.

Solange wir nicht endlich verstehen, dass es wie bei jeder Sportart eine gewisse Lauftechnik braucht, um die Beanspruchung auf unsere Muskeln, Sehnen und Bänder zu optimieren (Laufen ist eine motorisch sehr einseitige Sportart, die diese Strukturen tausendfach in hoher Frequenz belastet), solange wird auch die Verletzungsquote hoch bleiben.

Leider meinen wir, dass Laufen so natürlich sei, dass es da nicht viel falsch zu machen gäbe. Ein fataler Trugschluss.  

Je besser die Lauftechnik desto unwichtiger der Laufschuh

Laufschuhkauf.de: Wie oft spielt überhaupt der Laufschuh und / oder die Einlagenversorgung eine Rolle in Bezug auf Verletzungen?

Dr. Srdan Popovic: Sehr selten. Das ist gerade das Paradoxe. Wir machen eine riesen Wissenschaft daraus und dabei spielen Laufschuh und Einlage nicht die führenden Rollen bei den Verletzungsursachen. Natürlich kann ein unpassender Laufschuh zu Überlastungen führen, aber dies ist eben nicht die Regel. Folgende Faustregel kann hier helfen: Umso besser meine Lauftechnik und meine körperliche Verfassung, umso mehr kann ich jeden Laufschuh tragen. Et vice versa.

Verletzungsprophylaxe und Therapie

Laufschuhkauf.de: Was sollten die ersten Maßnahmen bei einer Verletzung bspw. einer Achillessehnenentzündung sein?

Dr. Srdan Popovic: Belastung adaptieren ggf. pausieren. Nach der Ursache suchen. Entsprechende aktive Therapien einleiten und ein der Ursache entsprechendes Übungsprogramm absolvieren. Es gibt nicht die Maßnahme, sondern immer eine der Verletzungsursache entsprechende Maßnahme. Exzentrisches Wadentraining ist oft angebracht, aber eben nicht immer.

Laufschuhkauf.de: Wann würdest du empfehlen einen Arzt aufzusuchen?

Dr. Srdan Popovic: Bei Ruheschmerzen und nächtlichen Schmerzen würde ich umgehend einen Arzt aufsuchen. Bei belastungsbedingten Beschwerden, die länger als 72h nach dem Training bleiben auch.

Laufschuhkauf.de: Was sind deine Top Tipps um Verletzungen vorzubeugen?

Dr. Srdan Popovic: Sich mit der Lauftechnik auseinandersetzen und professionelle Hilfe holen. Es ist wahrscheinlich die unterschätzteste und wertvollste Investition in einem Läuferleben. Überlastungsschmerzen, die nach 48h weg gehen, sind noch ok. Bleibt der Schmerz >72h, fachliche Hilfe aussuchen und nicht „drüber-trainieren“. Es wird nicht weg gehen.

Orthopädische Einlagen

orthopädische Einlage (c) Laufschuhkauf.deLaufschuhkauf.de: Wie stehst du zum Thema orthopädische Einlagen: No-Go oder sinnvolles Hilfsmittel?

Dr. Srdan Popovic: Kann in bestimmten Fällen eine gute Lösung und ein sinnvolles Hilfsmittel sein.

Laufschuhkauf.de: Was sollte bei der Verwendung von orthopädischen Einlagen in Laufschuhen beachtet werden?

Dr. Srdan Popovic: Die Einlage sollte sich schnell wie der „verlängerte Fuß“ anfühlen und nicht wie ein Fremdkörper unter dem Fuß.

Laufschuhkauf.de: Vielen Dank für das Gespräch.

Dr. Srdan Popovic: Ich danke.


Steckbrief Dr. Srdan Popovic

Dr. Srdan Popovic  (c) Dr. Srdan Popovic Dr. Srdan Popovic wurde 1982 in Karlovac in Kroation geboren. Momentan wohnt der Arzt und Bewegungsanalytiker in Berlin.

Nach seinem sportwissenschaftlichem Studium in Göttingen hat Srdan Popovic in Frankfurt am Main zum Thema Laufökonomie von Mittel- und Lanfstreckenläufern promoviert. Seit über 10 Jahren ist er beratend in der Laufschuhindustrie durch Vorträge zu den Themen Biomechanik und Running unterwegs (srdan-popovic.com). Er ist Mitglied der Currex Akademie in Hamburg und hat in unzähligen Lauf- und Bewegungsanalysen Läufern geholfen ihre Verletzungsproblematiken in den Griff zu bekommen.

Derzeit ist er bei BeMoveD – Berlin Movement Diagnostics, eines Bewegungslabors des Julius Wolff Instituts an der Charité – Universitätsmedizin Berlin tätig.

Neben seinem Hobby Laufen ist Tennisspielen seine große sportliche Leidenschaft.


 

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